Ärzte Zeitung, 05.03.2007

Raucherplatz oder nicht? - Das ist hier die Frage

In Hannover macht ein Gastwirt mit der Trennung von Rauchern und Nichtrauchern seit zwei Jahren gute Erfahrungen

"Raucher- oder Nichtraucherplatz?", fragt der Kellner ein junges Pärchen, das gerade das italienische Restaurant "da Lello" in der Innenstadt von Hannover betritt. "Nichtraucher", lautet die Antwort. Der junge Mann weist den beiden einen Tisch im rauchfreien Bereich zu. Die Raucher sitzen in getrennten Räumen, von Zigarettenqualm ist an den anderen Tischen nichts zu merken - und das Lokal ist voll. Die rot umrandeten Verbotsschilder, auf denen eine brennende Zigarette durchgestrichen ist, fallen auf.

Ein Schild weist im Restaurant "Da Lello" von Gastwirt Lello Ruggeri auf das Rauchverbot hin. Foto: ddp

Von Friederike Dittmer

Bereits vor zwei Jahren richtete der Italiener Lello Ruggeri in seinem Restaurant getrennte Räume für Raucher und Nichtraucher ein. "Wenn meine Gäste anrufen und einen Tisch bestellen, frage ich nach, ob sie einen Raucher- oder Nichtraucherplatz haben wollen", erzählt Ruggeri. Buchen nur wenige Raucher einen Tisch, bekommen sie für den Abend einen kleinen Raum zugewiesen. Nachteile fürs Geschäft spürt der Gastronom nicht: "Zuerst hatte ich Angst, dass diese Regelung Raucher vor einem Besuch abschrecken könnte", räumt der 59-Jährige ein. Das habe sich nicht bestätigt. Außerdem kämen jetzt mehr Familien mit Kindern.

Ruggeris Gäste sind von der Regelung begeistert. Die 47 Jahre alte Beate Harmann sitzt an einem Tisch im Nichtraucherbereich. "Bei Reisen in die USA ist mir aufgefallen, dass es dort in Restaurants häufig getrennte Räume für Nichtraucher gibt", erzählt sie. Eine solche Lösung halte sie für zukunftsweisend. Auch Inge Leger und Jens Kalin haben sich bewusst für einen Platz im Nichtraucherbereich entschieden. Zigarettenqualm beim Essen empfinden beide als störend. "Die Klamotten stinken und die Gesundheit wird zwangsläufig belastet", sagt der 25-jährige Kalin.

Von der Lösung im "da Lello" sind beide deshalb positiv überrascht. Die 22-jährige Leger hätte auch gegen ein generelles Rauchverbot in Gaststätten und Diskotheken nichts einzuwenden. "Nichtraucher haben ja sonst gar keine Möglichkeit, wegzugehen, wenn sie dem Rauch komplett entfliehen wollen", sagt sie. Mit der jetzigen Regelung könne er leben, sagt auch ein junger Raucher, der im Raucherraum sitzt. Ein komplettes Rauchverbot ginge ihm allerdings zu weit. Die Debatte über den Nichtraucherschutz hält er für übertrieben. Auch Raucher bräuchten schließlich einen Platz.

Auch Kamar Vesagaridze glaubt nicht an ein generelles Rauchverbot in Restaurants. "Man kann solche Dinge eben nicht von heute auf morgen ändern", sagt die 40 Jahre alte Restaurant-Mitarbeiterin. Sie steht hinter dem Tresen und kümmert sich vorwiegend um die Getränke. Sie macht sich manchmal Sorgen um ihre Gesundheit und ist froh, dass es im Restaurant wenigstens einen Bereich gibt, in dem nicht geraucht wird.

Inhaber Ruggeri ist erleichtert, dass seine Gäste die Lösung in seinem Restaurant akzeptieren. Eine gesetzliche Regelung, die die Einrichtung von separaten Raucherzimmern vorschreibt, lehnt er jedoch ab: "Restaurantinhaber kennen ihre Gäste selbst am besten und sollten deshalb selbst bestimmen können, wie sie mit Rauchern umgehen." (ddp)

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