Ärzte Zeitung, 31.05.2007

Duschen und Spazieren gehen als Alternativen zur Zigarette

Heute ist Weltnichtrauchertag / Raucherentwöhnungsprogramme setzen auf psychologische Betreuung, um neue Beschäftigungen zu finden

BERLIN (dpa). Ohne Zigaretten ging es nicht. 46 Jahre lang hat Barbara Seeck geraucht. Zuletzt brauchte sie jeden Tag 40 Zigaretten. Aufhören schien unmöglich, mehrere Anläufe scheiterten noch am ersten Abend. Doch damit sollte Schluss sein. Die 66-Jährige nahm am Raucherentwöhnungsprogramm des Berliner Vivantes-Klinikums teil. Mit Erfolg: Seit etwa drei Wochen ist die Rentnerin rauchfrei.

Wer sich das Rauchen abgewöhnen will, muss oft seinen Alltag neu organisieren. Foto: Bilderbox

In Deutschland rauchen laut Bundesgesundheitsministerium etwa 16,7 Millionen Erwachsene, also jeder Fünfte. Hinzu kommen noch rund 18 Prozent der Jugendlichen. Zusammen rauchen sie alle jährlich etwa 107 Milliarden Zigaretten - das sind mehr als 293 Millionen Glimmstängel pro Tag. An den Folgen des Rauchens stirbt weltweit jeder zehnte Erwachsene. Das ist zu viel, findet die Weltgesundheitsorganisation und organisiert heute, am 31. Mai, den Weltnichtrauchertag.

Rauchen schädigt allerdings nicht nur die Gesundheit, sondern verursacht auch hohe Kosten. So werden in Deutschland für Patienten, die wegen Krankheiten behandelt werden, die im direkten Zusammenhang mit Rauchen stehen, schätzungsweise 5,1 Milliarden Euro pro Jahr ausgegeben. Dazu kommen die Kosten der durch Rauchen bedingten Arbeitsausfälle von 13,7 Milliarden Euro. Ende vergangener Woche hat nun der Bundestag ein grundsätzliches Rauchverbot für öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel beschlossen.

Auch Barbara Seeck hat durch das Rauchen erhebliche gesundheitliche Probleme, vor allem mit der Lunge. Das Treppensteigen ist für die Berlinerin eine Qual, und ihre Wohnung kann sie nicht saugen, ohne mehrmals atemlos Pause zu machen. Deswegen hat sie sich zum Raucherentwöhnungskurs im Klinikum Berlin-Neukölln entschlossen, zusammen mit neun weiteren Frauen.

Das Entsagen fällt nicht leicht. "Nikotin hat ein weitaus höheres Suchtpotenzial als Heroin", berichtet der Leiter des Projekts, Psychologe Michael Heidler. "32 Prozent der Menschen, die einmal eine Zigarette probieren, werden abhängig." Beim Heroin sind es 12 Prozent weniger.

Vor allem aber macht der blaue Dunst auch psychisch abhängig, denn bei den meisten Rauchern gehört die Zigarette fest zum Alltag dazu: beim Kaffee am Morgen oder nach dem Essen am Abend. "Deswegen müssen wir für die Zeit des Ausstiegs bewusst neue Beschäftigungen schaffen und die Tagesabläufe ändern", erklärt Heidler. Dieses Prinzip der Raucherentwöhnung wird auch von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfohlen.

Einfach ist das neue Leben ohne Zigaretten daher nicht. Für eine der Teilnehmerinnen bedeutet es zum Beispiel nun anstatt morgens zwei Stunden lang eine Zigarette nach der anderen zu rauchen, erst unter die Dusche und dann spazieren zu gehen. "Ich bin rauchfrei, aber nicht glücklich", so ihr Fazit.

Im Berliner Klinikum sind tatsächlich über 80 Prozent der Teilnehmer nach Kursende rauchfrei. Barbara Seeck ist eine von ihnen. Zwischenzeitlich hatte sie zwar einen Rückfall und griff zwei Wochen lang wieder zur Zigarette. Doch auch wenn es im zweiten Anlauf schwerer fiel, ist sich Seeck sicher: "Jetzt schaffe ich es."

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