Ärzte Zeitung, 05.11.2007

"Man kann länger am Limit fahren, man fährt weiter vorn"

Radprofi Sinkewitz berichtet über Doping-Erfahrungen

FRANKFURT/MAIN (Smi). Der des Dopings überführte Radprofi Patrik Sinkewitz hat sich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit detailliert über die Dopingpraktiken an der Freiburger Universitätsklinik geäußert.

 "Man kann länger am Limit fahren, man fährt weiter vorn"

Ausgepackt: Radrennfahrer Patrik Sinkewitz berichtete im "Aktuellen Sportstudio" über Dopingpraktiken in der Uniklinik Freiburg

Foto: dpa

Im "Aktuellen Sportstudio" (ZDF) sagte Sinkewitz in der Nacht von Samstag auf Sonntag, dass seine letzte Eigenblut-Behandlung im Juli vergangenen Jahres abgebrochen wurde, weil sein in der Uniklinik aufgefrischtes Blut verklumpt gewesen sei.

Der T-Mobile-Profi, diesjähriger Sieger des Traditionsrennens "Rund um den Henninger Turm", begann eigener Aussage nach im Zuge der Vorbereitungen auf die Saison 2006 mit dem Eigenblut-Doping. Er habe die Freiburger Universitätsmediziner und T-Mobile-Rennstallärzte Dr. Lothar Heinrich und Dr. Andreas Schmid nach dieser Methode gefragt, und sie hätten ihm Unterstützung zugesichert. Allerdings, so Sinkewitz: "Gerne hat das niemand gemacht. Es war Teil des Systems."

Das Verfahren selbst schilderte der Berufsradfahrer als "relativ unkompliziert". Die Ärzte hätten ihm in der Vorbereitungsphase je einen halben Liter Blut entnommen, dieses gelagert und vier Wochen später wieder zugeführt. Anfangs habe er sich immer schlecht gefühlt, aber wenn ihm das Blut reinfundiert wurde, sei er viel leistungsfähiger gewesen. "Man kann länger am Limit fahren", sagte der Dopingsünder, der aufgrund der Kronzeugenregelung mit einer einjährigen Sperre davonkommen könnte. "Die Schmerzen sind zwar dieselben", stellte Sinkewitz klar, aber man fährt weiter vorn."

Nach der ersten Etappe der Tour de France im Juli 2006 sei er das letzte Mal zum Eigenblutdoping in Freiburg gewesen, erzählte Sinkewitz im Gespräch mit Moderator Michael Steinbrecher. Zwei Beutel mit aufgefrischtem Blut habe er sich reinfundieren lassen.

Topics
Schlagworte
Suchtkrankheiten (2907)
Organisationen
ZDF (220)
Krankheiten
Schmerzen (4318)
Personen
Andreas Schmid (25)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gröhes Sonnenschein-Politik

Bei der Eröffnung des Ärztetags weiß sich der Gesundheitsminister bei Partnern. Kritik hat Gröhe nur für den Koalitionspartner übrig und freut sich auf ein Wiedersehen beim Ärztetag 2018. mehr »

Berichte, Videos und Tweets rund um den Deutschen Ärztetag

Begleiten Sie den 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg mit uns online. Die "Ärzte Zeitung" berichtet vom 23.-26.5. live und aktuell über alle wichtigen Ereignisse und Debatten. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »