Ärzte Zeitung, 14.12.2007

Union blockiert Behandlung mit Diamorphin

BERLIN (ble). In der Debatte um die Behandlung von schwerst Heroinabhängigen mit dem Ersatzstoff Diamorphin haben Grüne, FDP und Linke der CDU/CSU einen Bruch demokratischer Spielregeln vorgeworfen.

Bei der Sitzung des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags hatte die Union am Mittwoch eine abschließende Beratung eines entsprechenden Gesetzentwurfs der Opposition verhindert.

Mit ihrer seit über eineinhalb Jahren andauernden Verweigerungshaltung versuche die Union erneut, ein Gesetz zu verhindern, dass es schwerst Abhängigen ermöglichen würde, aus der Sucht ins Leben zurückzufinden. "Das ist aus unserer Sicht ein zynisches Spiel auf dem Rücken der Betroffenen" kritisierten die Abgeordneten Harald Terpe (Grüne), Detlef Parr (FDP) und Monika Knoche (Linke).

Mit ihrer Haltung zur Diamorphinbehandlung hat sich die Unions-Bundestagsfraktion isoliert. Außer der Bundestagsopposition und dem Koalitionspartner SPD setzt sich auch der von CDU/CSU dominierte Bundesrat mit einem eigenen Gesetzentwurf für eine Regelversorgung mit Diamorphin ein (wir berichteten). Im September stimmten 13 von 16 Ländern für einen Antrag der Länder Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Derzeit werden in Modellprojekten in sieben Großstädten noch knapp 400 Abhängige behandelt. Die Bundesregierung geht von rund 3500 Abhängigen aus, die für eine Therapie infrage kommen.

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