Ärzte Zeitung, 25.02.2008

Computerspiel erleichtert Ausstieg aus der Sucht

US-Verhaltenstherapeut entwickelt Online-Angebot für Crack-Süchtige / Im Internet werden spielerisch Szenen aus dem Alltag simuliert

FRANKFURT/MAIN. In den USA geht ein Verhaltenstherapeut neue Wege, um Crack-Süchtigen zu helfen: Mit Hilfe eines Computerspiels sollen Betroffene erlernen, ihrem Drogendrang nach und nach zu widerstehen.

Von Pete Smith

Professor Zachary Rosenthal vom Duke University Medical Center in Durham im US-Bundesstaat North Carolina und sein Team haben im Laufe von vier Jahren eine virtuelle Welt erschaffen, in der die Versuchungen buchstäblich an jeder Ecke lauern. Drogendealer warten im Motel, auf der Straße, am Basketballplatz.

Wenn der Spieler der Verlockung eine Weile widersteht, ertönt eine spezielle Klangfolge. Diese soll ihn nach und nach so konditionieren, dass er damit bald automatisch schwindendes Verlangen assoziiert. Sobald er die Einrichtung in Durham verlässt und in seine gewohnte Umgebung zurückkehrt, kann er mit Hilfe eines speziellen Handys dieselbe Klangfolge jederzeit abrufen.

Therapeutische Hilfe kann rund um die Uhr abgerufen werden.

Das Spiel ist auf seine jeweiligen Konsumenten zugeschnitten, wobei auch persönliche Details aus dem Leben der Süchtigen eingearbeitet werden können. Auf virtuelle Weise schafft man also reale Lebenswelten, in denen die Patienten Tag für Tag zurechtkommen müssen. Da ein Therapeut für einen Süchtigen nicht ständig da sein kann, erhält dieser bei dem neuen Therapieansatz eine Hilfe, die er rund um die Uhr abrufen kann. Derzeit wird der Nutzen der Therapie in einer Studie mit 30 Crack-Süchtigen evaluiert.

"Das Begehren ist ein erlerntes Verhalten", so Rosenthal in einem Gespräch mit dem US-Sender ABC. "Daher kann man es auch wieder verlernen."

Ein Crack-Konsument, der ungenannt bleiben will, bestätigt den Erfolg der Therapie. "Dieses Programm hat bei mir Wunder bewirkt", sagte der 52-Jährige. "Ich bin schon eine ganze Weile clean."

Die Droge Crack ist eine Mischung aus Kokainsalz und Natriumhydrogencarbonat (Natron). Sie wird in kleinen Pfeifen geraucht und wirkt extrem schnell in etwa acht bis zehn Sekunden. Crack ist zudem die Droge mit dem höchsten Abhängigkeitspotenzial. Der Rauch riecht nach verbranntem Polystyrol. Diese Form von rauchbarem Kokain hat sich mittlerweile in der Szene durchgesetzt, da es wesentlich einfacher und aus leichter verfügbaren Mitteln herstellbar ist.

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