Ärzte Zeitung, 18.06.2008

KOMMENTAR

Guter Jugendschutz kann einfach sein

Von Thomas Müller

Einen sturzbetrunkenen Jugendlichen in einer Klinik zu sehen, ist sicher kein erfreulicher Anblick, doch im Gegensatz zu vielen Erwachsenen, die bei der Einweisung schon auf eine lange Alkoholkarriere zurückblicken können, ist bei Jugendlichen Hopfen und Malz noch nicht verloren. Man kann junge Menschen noch dazu bewegen, Probleme auf andere Weise als durch Alkohol zu lösen. Das ist eine der Kernbotschaften des Modellprojektes "Hart am Limit", mit dem sich in Rostock und Umgebung die Rate für Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen reduzieren ließ - während sie zugleich in anderen Regionen drastisch stieg.

Wichtig ist jetzt, dass solche Projekte auch anderswo stattfinden. Der Aufwand dafür ist einerseits gering - in Rostock und Umgebung genügte eine einzige speziell ausgebildete Ärztin, die die jungen Patienten nach ihrer Einlieferung betreute. Andererseits wird es Erfolge nur geben, wenn zugleich auch konsequent gegen Gaststätten, Supermärkte und Tankstellen vorgegangen wird, die Jugendschutzvorschriften ignorieren. Welche Läden und Locations das sind, ist kein großes Geheimnis - man muss nur die Jugendliche fragen, wo sie ihren Stoff her haben.

Daran sollte man vielleicht denken, wenn das nächste Mal ein Minderjähriger an einer Überdosis Alkohol stirbt, und der Schrei nach schärferen Gesetzen laut wird. Diese werden nichts nützen, solange kaum jemand kontrolliert, ob sie auch eingehalten werden.

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