Ärzte Zeitung online, 04.09.2008

Jugendliche lieben Wasserpfeife Shisha - Giftigkeit und Suchtgefahr unterschätzt

HEIDELBERG (dpa). Die Wasserpfeife Shisha ist bei Jugendlichen immer beliebter. Nach einer Studie des Thoraxklinikums in Heidelberg hat bereits jeder vierte Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren schon einmal Wasserpfeife geraucht.

"Einige gaben an, mehr als dreimal pro Woche zu rauchen", sagte der Leiter der Studie, Professor Felix Herth und bestätigte einen Bericht des Hamburger Magazins "Stern". Shisha-Rauchen berge jedoch das "gleiche Sucht- und Erkrankungspotenzial" wie Zigarettenrauchen, warnte der Mediziner.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung sind Shishas in einigen Bereichen sogar gesundheitsschädlicher als Zigaretten. So werde mehr Nikotin aufgenommen.

"Für Jugendliche sind die Shishas heute wesentlich hipper als zu rauchen", so Herth. Anders als bei Zigaretten würden Gymnasiasten genauso oft zur Wasserpfeife greifen wie Hauptschüler. "Wasserpfeifen sind die Alcopops der neuen Generation." Der Chefarzt warnte davor, dies zu negieren und die Entwicklung zu verharmlosen.

Eine Shisha enthält soviel Gift wie 10 Zigaretten

Laut Bundesinstitut werden über den Rauch von Wasserpfeifen zum Teil größere Schadstoffmengen aufgenommen werden als über filterlose Zigaretten. So sei der Gehalt von Chrom, Kobalt, Blei und Nickel beim Rauchen von Shishas höher als bei der Zigarette, so das Magazin mit Verweis auf das Bundesinstitut. Derzeit müsse davon ausgegangen werden, dass zwei bis drei Wasserpfeifen pro Tag etwa so gesundheitsschädlich wie täglich 20 bis 30 Zigaretten sind. Bei Schwangeren bestehe die Gefahr, dass ihr Kind ein niedrigeres Geburtsgewicht habe.

Aromastoffe setzen beim Verbrennen krebserregende Stoffe frei

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden dem aromatisierten Tabak von Shishas außerdem Zucker und Sirup beigemischt, was beim Verbrennen krebserzeugende und schleimhautreizende Stoffe freisetze. Menschen, die Wasserpfeife rauchen, hätten daher ein höheres Risiko für Herz- sowie Krebserkrankungen von Lunge, Lippe, Mundhöhle und Harnblase.

Die Studie von Herth soll im März 2009 beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin vorgestellt werden. Wissenschaftler vom Thoraxklinikum hatten dafür 3000 Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren befragt. Laut Herth handelte es sich um Schulklassen aus dem Rhein-Neckar-Kreis.

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