Ärzte Zeitung online, 15.10.2008

Frauen fällt Aufhören mit dem Rauchen schwerer - Aktionsprogramm

HEIDELBERG (dpa). Frauen haben deutlich mehr Probleme mit dem Rauchen aufzuhören als Männer. Außerdem reagieren sie nach einem neuen Report des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) empfindlicher auf die Schadstoffbelastungen durch das Rauchen und das Passivrauchen.

Frauen seien besonders gefährdet Herz-Kreislauferkrankungen, Lungenerkrankungen oder die Knochenkrankheit Osteoporose zu bekommen, warnten die Experten in dem am Dienstag in Heidelberg veröffentlichten Report. Zudem werden der Menstruationszyklus und die Fruchtbarkeit beeinflusst.

"Kinder rauchender Mütter und Väter leiden vermehrt an Atemwegserkrankungen, Asthma und Mittelohrentzündungen", hieß es weiter.

Die Bundes-Drogenbeauftragte Sabine Bätzing sagte in Berlin, im Kampf gegen den Zigarettenkonsum sollen künftig gezielt Frauen angesprochen werden. In der Altersgruppe von 12 bis 17 Jahren fingen inzwischen mehr Mädchen als Jungen mit dem Rauchen an. Um gerade Frauen vom Rauchen abzuhalten, solle es daher auf Zigarettenpackungen zum Beispiel Bilder von Frühgeborenen oder rauchenden Schwangeren geben, erklärte Bätzing anlässlich der Tagung "Frauen und Rauchen - Neue Wege in der Prävention".

Bis Jahresende will Bätzing ein nationales Aktionsprogramm zur Tabakprävention vorlegen. Es soll gezielt auf Frauen ausgerichtete Maßnahmen enthalten. Bätzing forderte weitere Einschränkungen bei der Tabakwerbung. So verknüpften junge Mädchen das Rauchen oft mit Selbstbewusstsein und Schlanksein. "Rauchen macht schlank - das ist in den Köpfen drin." Für Zigaretten dürfe daher nicht mehr mit dem Aspekt "Lifestyle" geworben werden.

Frauen sind weniger motiviert zum Rauchstopp als Männer und haben Angst vor Gewichtszunahme

Nach Überzeugung der DKFZ-Experten fällt es Frauen vor allem deswegen schwer, mit dem Rauchen aufzuhören, weil sie zumeist weniger motiviert zum Ausstieg sind und weniger an einen erfolgreichen Versuch glauben als männliche Raucher. "Zudem erwarten sie häufiger als Männer Schwierigkeiten beim Rauchstopp und befürchten in stärkerem Ausmaß, dass sie durch einen Rauchstopp an Gewicht zunehmen könnten", hieß es in dem Report.

Wer mit dem Rauchen aufhört, muss damit rechnen, mehrere Kilogramm zuzulegen - in jedem zehnten Fall sogar um bis zu zehn Kilo. "Frauen nehmen dabei durchaus mehr zu als Männer", schreibt der Report, ohne Zahlen zu nennen. Außerdem seien Entzugssymptome bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern, eine Nikotinersatz-Therapie wirke bei Frauen zudem schlechter als bei Männern.

Im Jahr 2006 rauchte jeder dritte Mann in Deutschland und jede vierte Frau

Nach DKFZ-Angaben haben im Jahr 2006 in Deutschland 35 Prozent der Männer geraucht, bei den Frauen waren es 27 Prozent. "In den letzten Jahrzehnten hat sich das Rauchverhalten der Frauen dem der Männer angeglichen", bilanziert der Report. Allerdings rauchten Frauen nach wie vor über alle Altersgruppen hinweg weniger Zigaretten pro Tag als Männer.

Frauen mit niedriger Schulbildung greifen laut der Bundes-Drogenbeauftragten doppelt so häufig zur Zigarette wie Frauen mit Abitur. Unter den alleinerziehenden Müttern sei mehr als jede zweite Raucherin. Weil immer mehr und immer jüngere Frauen zur Zigarette greifen, habe sich die Zahl der Lungenkrebserkrankungen bei Frauen in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt.

www.tabakkontrolle.de

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