Ärzte Zeitung online, 16.02.2009

Expertin zu Alkoholkonsum bei Kindern: Mehr Polizei-Kontrollen nötig

KÖLN (dpa). Angesichts eines riskanten Alkohol-Konsums schon bei Kindern hat die Expertin Professor Elisabeth Pott mehr Kontrollen in Handel, Diskotheken oder Gaststätten verlangt. "Unter den 12- bis 17-Jährigen trinken 6,2 Prozent in riskanten Mengen und zwei Prozent in gefährlichen Mengen Alkohol - das sind 425 000 Minderjährige."

Das sagte die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Köln. "Dieses Problem darf man nicht bagatellisieren." Zu einer umfassenden Strategie gehöre eine intensivere Prävention. "Es muss aber auch mehr bei der Abgabe überwacht werden, die Polizei muss konsequent Kontrollen durchführen."

In der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen trinken einer BZgA-Untersuchung zufolge rund 300 000 mindestens einmal pro Woche übermäßig, also fünf oder mehr alkoholische Getränke hintereinander. Etwa eine Million Jungen und Mädchen schlucken diese Mengen mindestens einmal im Monat. "Wohlgemerkt sind das Zahlen für eine Altersgruppe, in der viele noch überhaupt gar keinen Alkohol trinken dürften, weil die kindlichen Organe noch nicht ausreichend entwickelt sind und der Alkohol für sie besonders problematisch ist", sagte Pott. Für unter 16-Jährige ist Alkohol generell verboten.

Gut drei Viertel aller Jugendlichen (12-17 Jahre) haben einer Umfrage von 2008 zufolge schon mal Alkohol getrunken. "Das Problem ist, dass die jungen Menschen in eine Gesellschaft hineinwachsen, in der Alkohol selbstverständlich und verbreitet ist und fast überall dazugehört." Umso mehr müssten sich Handel und Gastronomie verantwortungsvoll verhalten und spirituosenhaltige Getränke generell nicht an unter 18-Jährige abgeben. "Auch Eltern müssen Vorbild sein und klare Grenzen setzten. Selbst wenn sich eine Mutter, die bei der Geburtstagsfete der 15-jährigen Tochter Alkohol verbietet, vielleicht altmodisch vorkommt: Die Gesundheitsgefahren und drohenden Schädigungen sollten klar aufgezeigt werden."

Bei den Alkopops - spirituosenhaltigen Mixgetränken - habe es zwar nach öffentlichen Warnungen und der 2004 eingeführten Sondersteuer einen "punktuellen Erfolg" gegeben, sagte die BZgA-Direktorin. "Damit ist aber das grundsätzliche Problem nicht gelöst." Bei anderen Alkohol-Arten seien die Verbrauchsmengen dagegen gestiegen. "Wir müssen die Prävention verstärken. Das ist Sache von Bund, Ländern und Kommunen, und es gibt auch zahlreiche gute Privat-Initiativen. Das sollte noch viel stärker gebündelt werden, damit eine klare Botschaft in einheitlicher Richtung gegeben wird für einen umsichtigen und nur moderaten Alkoholkonsum."

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