Ärzte Zeitung online, 19.02.2009

Tödliches Koma-Trinken eines Schülers - Mutter leidet bis heute

BERLIN (dpa). Die Mutter des 16-jährigen Schülers, der sich vor zwei Jahren bei einer Wette ins tödliche Koma getrunken hatte, leidet noch immer. "Ich habe es bis heute nicht verkraftet", sagte die 55-jährige Bibliothekarin am Mittwoch im Prozess vor dem Berliner Landgericht.

Vom Wetttrinken mit dem Wirt der Bar "Eye T." hatte die Berlinerin nichts gewusst. Ihr sei aber nicht entgangen, dass ihr Sohn mehr trank, als ihm gut tat, fügte die gefasst wirkende Berlinerin hinzu. Es habe heftige Auseinandersetzungen gegeben. Für den Jungen aber war es üblich, dass man bei Treffen in seiner Altersgruppe trank.

Die Bar war ein Anziehungspunkt für Minderjährige, hatten zuvor Freunde des Gymnasiasten ausgesagt. "Das Eye T. war für alle offen, ich habe immer Alkohol bekommen", erinnerte sich ein Freund des gestorbenen Gymnasiasten. Wer nicht volljährig war und gerne viel trank, kam hin, sagte der Auszubildende am Mittwoch als Zeuge vor dem Berliner Landgericht. Es habe keine Alterskontrolle gegeben, und die Preise für Cocktails seien günstig gewesen.

   Der Schüler war nicht mehr aus dem Koma erwacht. Der Junge starb vier Wochen später an den Folgen einer Alkoholvergiftung. Er hatte in der inzwischen geschlossenen Bar mindestens 45 Tequila heruntergestürzt, während der Kneipier bei dem ungleichen Duell am frühen Morgen des 25. Februar 2007 weitgehend Wasser trank. Dem Wirt werden Körperverletzung mit Todesfolge und unerlaubter Ausschank von Alkohol an Kinder und Jugendliche in mehr als 170 Fällen vorgeworfen. Zu Prozessbeginn vor einer Woche hatte der 28-jährige Kneipier die moralische Schuld für den Tod des Jugendlichen auf sich genommen. Das Wetttrinken hatte er "bereut und bedauert" (wir berichteten).

   Nach Zeugenaussagen einer damals 17-jährigen Freundin wollte der Junge offenbar sich und anderen beweisen, dass er viel verträgt. "Ich denke schon, dass es für Jungs etwas Tolles ist, jemanden unter den Tisch zu trinken", vermutete die Gymnasiastin am zweiten Prozesstag. Sie habe ihn nicht abhalten können.

   Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt und eine Diskussion über den alarmierenden Alkoholkonsum unter Kindern und Jugendlichen ausgelöst. Der Prozess wird kommenden Mittwoch mit Zeugen fortgesetzt.

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