Ärzte Zeitung online, 04.03.2009

Alkohol im Fernsehen steigert Alkoholkonsum

AMSTERDAM (dpa). Alkohol in der TV-Werbung und in Filmen lässt Fernsehzuschauer einer Studie zufolge häufiger zu Flasche greifen. Testpersonen, die entsprechenden TV-Sendungen zuschauten, nahmen bei Studien in den Niederlanden und Kanada das Doppelte an alkoholhaltigen Getränken zu sich wie jene, die Programme mit nur geringfügigem Alkohol-Bezug sahen.

An der im Fachjournal "Alcohol and Alcoholism" vom Mittwoch veröffentlichten Studie waren 80 Studenten im Alter von 18 bis 29 Jahren beteiligt. Sie saßen in vier verschiedenen Gruppen in einem gemütlichen Heimkino, in dem alkoholische und alkoholfreie Getränke zur Verfügung standen. Zwei Gruppen sahen den Film "American Pie", in dem Jugendliche heftig Bier konsumieren, jeweils mit und ohne Alkohol-Werbung. Zwei andere Gruppen schauten den weitgehend "abstinenten" Film "40 Tage und 40 Nächte" jeweils mit und ohne Werbung für Alkohol.

Am häufigsten griffen erwartungsgemäß diejenigen Studienteilnehmer zum Alkohol, die "American Pie" plus Bier-Werbung sahen. Sie tranken im Schnitt während des Films drei 0,2-Liter-Flaschen alkoholische Getränke. Die Teilnehmer der "trockensten" Variante - "40 Tage und 40 Nächte" mit "neutraler" Werbung - konsumierten im Schnitt nur die Hälfte davon.

Die Ergebnisse zeigten "direkte Auswirkungen der Alkohol-Darstellung im Fernsehen auf das unmittelbare Trinkverhalten von Zuschauern", sagte Rutger Engels vom Institut für Verhaltensforschung der Radboud-Universität in Nijmegen. Die Studie mache deutlich, dass Alkohol-Darstellungen im TV nicht nur die gesellschaftlichen Normen hinsichtlich des Trinkens beeinflussten. Sie könne auch wie ein direkter Anstoß zum sofortigen Alkoholkonsum wirken, erklärte Engels.

So sei zu vermuten, dass "Werbung für eine bestimmte Biersorte nicht nur dazu verleitet, sie beim nächsten Supermarkt-Besuch zu kaufen, sondern auch dazu, sich gleich ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen". Ein Verbot von Alkohol-Werbung im Fernsehen könne daher zu einem geringeren häuslichen Alkohol-Konsum führen, meinte Engels. Weitere Untersuchungen dazu seien erforderlich.

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