Ärzte Zeitung online, 04.03.2009

Schärfere Kontrollen bei Alkoholverkauf gefordert

BERLIN (dpa). Angesichts des weit verbreiteten Komasaufens bei Jugendlichen fordert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schärfere Kontrollen beim Jugendschutz.

"Wir haben ein Umsetzungsdefizit", sagte Geschäftsführer Raphael Gaßmann in Berlin. Es müsse stärker kontrolliert werden, dass keine harten Alkoholika an Minderjährige verkauft werden. Verstöße müssten härter bestraft werden. Nach der jüngsten Erhebung wurden 23 165 Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren im Jahr 2007 mit Alkoholvergiftung stationär im Krankenhaus behandelt - so viele wie nie zuvor.

Gaßmann forderte, eine Supermarktkette solle ab drei Verstößen gegen das Abgabeverbot an Jugendliche für ein Jahr gar keinen Alkohol mehr verkaufen dürfen. "Heute fangen Bußgelder sehr moderat an", kritisierte der Suchtexperte. Für Tankstellen solle ein grundsätzliches Alkoholverbot gelten. "Wir wissen nicht, was Alkohol an Tankstellen zu suchen hat", sagte er. An diesem Donnerstag wollen die Tankstellen-Verbände und die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) einen Aktionsplan für verstärkten Jugendschutz vorstellen.

"Die Einhaltung des Jugendschutzes wird nicht systematisch kontrolliert", bemängelte Gaßmann. Er sprach sich für mehr Testkäufe Jugendlicher unter Behördenaufsicht aus. Ordnungsämter und Gewerbeaufsicht müssten aktiver werden. So biete das Gaststättenrecht den Kommunen beispielsweise genügend Ansatzpunkte gegen die berüchtigten Flatrate-Partys mit Alkohol zum Einheitspreis. Wirte dürften Betrunkenen keinen Alkohol mehr ausschenken. "Doch das wird kaum kontrolliert."

Gaßmann wandte sich gegen das immer wieder vorgebrachte Argument, Jugendliche könnten sich Alkohol immer irgendwie verschaffen, so dass Verbote und Kontrollen wenig nützten. Er sagte, die große Verfügbarkeit und weit verbreitete Alkoholwerbung zählten für viele Minderjährige zu Hauptanreizen. "Vor allem der nächtliche Verkauf ist das Bedienen von Gelegenheitskonsum", sagte Gaßmann. "Das kann man messen."

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