Ärzte Zeitung, 16.03.2009

Immer mehr Jugendliche fliehen in virtuelle Welten

Acht Prozent der männlichen Neuntklässler sind spielesüchtig oder gefährdet

HANNOVER (mut). Männliche Jugendliche entwickeln sich am Computer immer mehr zu Sorgenkindern: Sie bevorzugen gewalttätige Spiele und verbringen viel mehr Zeit mit dem Spielen als Mädchen. Aber sowohl Mädchen als auch Jungs spielen deutlich mehr als noch vor zwei bis drei Jahren.

Immer mehr Jugendliche fliehen in virtuelle Welten

Spielen bis zur Erschöpfung: Gerade für junge Männer ist das oft Alltag.

Foto: dpa

Ein 15-jähriger Junge verbringt heute an einem Schultag im Schnitt 130 Minuten mit Computer- und Videospielen, im Jahr 2005 waren es noch 90 Minuten. Mädchen spielen zwar deutlich weniger, haben ihren Konsum im selben Zeitraum aber ebenfalls drastisch gesteigert, und zwar von täglich 19 auf knapp 53 Minuten. An Wochenenden spielen Jugendliche zum Teil noch deutlich länger.

Das geht aus der bislang größten repräsentativen Studie zur Nutzung von Computerspielen in Deutschland hervor. Die Erhebung, bei der 44 600 Neuntklässler aus 61 deutschen Städten und Landkreisen befragt wurden, hat das Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) in Hannover gestern vorgestellt. Zuvor hat es 2005 eine Befragung bei etwa 14 000 Neuntklässlern in Westdeutschland gegeben.

Deutliche Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs gibt es nicht nur bei der Spieldauer: So gelten nach der neuen Umfrage 3 Prozent der Jungs als computerspielsüchtig, aber nur 0,3 Prozent der Mädchen. Weitere 4,7 Prozent der Jungs sind aufgrund ihres exzessiven Spielverhaltens suchtgefährdet, aber nur ein halbes Prozent der Mädchen. Und: Jungs bevorzugen Gewaltspiele wie "Counterstrike" sowie extrem zeitaufwendige Rollenspiele, Mädchen dagegen Spiele, in denen das gewöhnliche Leben simuliert wird.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
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