Ärzte Zeitung online, 23.03.2009

Breite Unterstützung für staatliche Heroin-Abgabe

Berlin (dpa). Im Gegensatz zur Unionsfraktion haben sich kirchliche Wohlfahrtsverbände, Städte und Suchtforscher für die bundesweite staatliche Abgabe von Diamorphin ausgesprochen. "Einer speziellen Zielgruppe wird als Ultima Ratio ermöglicht, überhaupt einen Zugang zum Hilfesystem zu finden", heißt es in der Stellungnahme des Städtetags zu einer Expertenanhörung am Montag im Bundestag.

Modellprojekte seien "keine ausreichende Grundlage", meint der Caritasverband. Auch die Diakonie unterstützt den von der SPD angestoßenen Gruppenantrag zur Übernahme von Diamorphin in die Regelversorgung.

Die Drogenbeauftragte der Unionsfraktion, Maria Eichhorn (CSU), sagte am Rande der Anhörung hingegen: "Wir sehen auch aufgrund der Stellungnahmen derzeit keine Möglichkeit, einer Regelversorgung zuzustimmen." Die Kassenärztliche Bundesvereinigung äußerte sich skeptisch zu den Ergebnissen der bisherigen Modellprojekte. So hätten die Teilnehmer nachts auch den Ersatzstoff Methadon erhalten können, womit kein reiner Vergleich zwischen künstlichem Heroin und Methadon möglich gewesen sei. Außerdem seien die Teilnehmer besser betreut gewesen, als viele andere Heroinabhängige. Dies könne auch einen Teil ihrer vergleichsweise besseren Situation erklären.

Eichhorn warnte, ein Großteil der rund 140 000 Opiat-Abhängigen könnte Diamorphin auf Kassenkosten beanspruchen. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) entgegnete, nur für 3000 bis 5000 Patienten käme dies infrage. Für Schwerstabhängige sei der Zugang zu Diamorphin eine Überlebenshilfe, sagte sie. "Ich gehe davon aus, dass es eine Möglichkeit gibt, sich mit der Union zu einigen." Die SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann sprach sich dafür aus, über die Anträge bald abzustimmen. Der von ihr mit angestoßene Gruppenantrag könne mit weiteren Unterstützern aus den Reihen von SPD, FDP und Grünen eine Mehrheit erreichen.

In mehreren deutschen Großstädten werden seit 2002 jene Abhängige mit Diamorphin versorgt, bei denen andere Therapien erfolglos waren. CDU und CSU sprechen sich für weitere Modellversuche aus, da noch viele Fragen ungeklärt seien.

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