Ärzte Zeitung online, 17.08.2009

Dollarscheine verraten hohen Kokainkonsum

WASHINGTON/NEW YORK (dpa). Neun von zehn Geldscheinen, die in amerikanischen Großstädten im Umlauf sind, tragen Kokainspuren. In der US-Hauptstadt Washington sind chemischen Analysen zufolge sogar 95 Prozent aller Dollarnoten mit der Droge beschmutzt.

Die Zahlen lassen einen dramatischen Anstieg des Kokainkonsums in den USA erkennen, erklärte der Leiter der Untersuchung, Yuegang Zuo von der Universität von Massachusetts in Dartmouth, am Sonntag (Ortszeit) auf der Jahrestagung der Amerikanischen Chemikervereinigung in Washington.

Vor zwei Jahren hatte der Forscher erst auf 67 Prozent des Papiergelds in US-Städten Spuren des Pulvers gefunden. Die neuen Zahlen, die auf der Überprüfung von 234 Dollarscheinen basieren, ließen eine Zunahme des Konsums in den USA von 20 Prozent erkennen, sagte Zuo. "Ich bin nicht sicher, woher der augenscheinliche Anstieg kommt. Er könnte etwas mit dem Wirtschaftseinbruch zu tun haben, damit, dass der Stress zum Griff nach Kokain verführt."

Auch in Kanada ist das Rauschmittel inzwischen weit verbreitet: Dort weisen 85 Prozent der Banknoten Spuren von Kokain auf. In Brasilien sind 80 Prozent kontaminiert und in Japan etwa 20 Prozent. Das Schlusslicht der fünf überprüften Länder bildet China mit 12 Prozent kokainverschmutzter Geldscheine. Euronoten wurden in der Studie nicht überprüft.

Die Forscher bedienten sich einer modifizierten Form der Gaschromatografie, die schneller und verlässlicher ist als bisher benutzte Methoden und noch dazu das Geld unbeschadet lässt. Mit dem Verfahren wies Zuo Kokainspuren von 0,006 bis 1240 Mikrogramm auf Geldscheinen nach. Diese Menge bringe Unbeteiligte, die das Geld später in die Hände bekämen, nicht in Gefahr, beruhigte der Chemiker. Auch ein Schnüffeln an den Scheinen habe keinen Effekt.

Banknoten werden von manchen Kokainkonsumenten gerollt, mithilfe der Scheine lässt sich das Pulver in die Nase ziehen. In anderen Fällen können Reste an den Händen oder auch der Kontakt mit verunreinigten Scheinen in Geldzählautomaten oder der Brieftasche zur Kontamination führen.

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