Ärzte Zeitung online, 08.09.2009

Immer mehr Glücksspielsüchtige suchen Hilfe

BREMEN (dpa). Glücksspielsüchtige in Deutschland suchen zunehmend Hilfe bei Beratungsstellen. Nach der Berechnung des Experten Gerhard Meyer stieg ihre Zahl 2008 auf 7300 und damit im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent.

"Rund drei Viertel der Therapie suchenden Spieler hatten Probleme mit Geldspielautomaten", sagte der Professor vom Institut für Psychologie und Kognitionsforschung an der Universität Bremen in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Gleichzeitig seien die Umsätze an diesen Automaten im vergangenen Jahr um 6,6 Prozent gestiegen, während der Gesamtmarkt um 11 Prozent zurückgegangen sei.

Die aktuelle Suchthilfestatistik weist gut 4300 Spieler aus, die Hilfen aufsuchten. Weil nicht alle Beratungsstellen erfasst seien, rechnet Meyer die Zahlen hoch. Er kritisierte, dass diese Automaten nicht vom neuen Glücksspiel-Staatsvertrag erfasst werden, "weil es sich offiziell nicht um Glücksspiel handelt". "Die Einsätze und Gewinne müssen auf ein vertretbares Maß zurückgeführt werden." Heute könnten mit einem Einsatz von 200 Punkten (zwei Euro) 600 000 Punkte gewonnen werden, "die den Gegenwert von 6000 Euro haben". Inzwischen würde mit den Geldspielautomaten das 4,5Fache des Bruttospielertrages der deutschen Spielbanken erzielt. "Hier ist ein Glücksspielbereich gewachsen, in dem man Vermögen verzocken kann."

Doch nicht nur das Automaten- auch das Pokerspiel boomt. Zwar habe der Staat Glücksspielangebote im Internet verboten, doch die Durchsetzung sei problematisch. Meyer fordert ein legales deutsches Online-Pokerangebot, bei dem der Spielerschutz deutlich umgesetzt wird. "Poker ist ein Glücksspiel, das süchtig machen kann."

In Deutschland gibt es nach Angaben Meyers zwischen 150 000 und 340 000 problematische Spieler, die kurz vor der Sucht stehen. Die Zahl der pathologischen Spieler wird auf 100 000 bis knapp 290 000 geschätzt.

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