Ärzte Zeitung, 03.03.2010

Zigarettenwerbung treibt Schüler in die Sucht

Neue Studie zeigt: Wer als Jugendlicher viel Tabakwerbung sieht, greift eher zum Glimmstängel

HAMBURG (dpa). Je mehr Zigarettenwerbung Jugendliche sehen, desto stärker ist ihr Bedürfnis zu rauchen. Das hat eine Studie der DAK und des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel ergeben.

Zigarettenwerbung treibt Schüler in die Sucht

Die Zielgruppe Jugendliche ist für die Tabakindustrie besonders interessant. © bilderbox / fotolia.com

Für die Untersuchung beobachteten Wissenschaftler das Verhalten von etwa 3400 Schülern im Alter zwischen 10 und 17 Jahren. Sie legten den Kindern und Jugendlichen Werbung von sechs Zigarettenmarken und acht anderen Produkten (zum Beispiel Süßigkeiten und Mobilfunk) vor - ohne erkennbare Marke. Die Schüler sollten berichten, wie oft ihnen eine Werbung bereits begegnet ist, und ob sie sich an den Markennamen erinnern.

Das Ergebnis: Je besser die Kinder und Jugendlichen Zigarettenwerbung wiedererkannten und den Markennamen nennen konnten, desto weniger waren sie dem Rauchen abgeneigt. In der Gruppe mit hohem Werbekontakt hatten doppelt so viele Schüler schon einmal geraucht wie in der Gruppe mit niedrigem Werbekontakt. Die Zahl der aktuellen Raucher lag in der ersten Gruppe sogar dreimal so hoch. Schüler, die zwar noch nie geraucht, aber schon viel Zigarettenwerbung gesehen hatten, würden bei Gelegenheit eher einmal probieren wollen als Schüler mit geringem Werbekontakt, so die Interpretation der DAK.

"Ganz bewusst setzt die Tabakindustrie auf Motive, die Jugendliche anspricht", kritisiert Ralf Kremer, DAK-Präventionsexperte. Dabei werden Jugendliche nach Angaben der Krankenkasse besonders schnell abhängig. Bereits nach vier Wochen gelegentlichen Rauchens hätten sie Entzugserscheinungen.

"Erfreulicherweise hat sich seit 2001 die Anzahl der jugendlichen Raucher fast halbiert. Aber noch immer greift mehr als jeder siebte Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren regelmäßig zur Zigarette", so Studienleiter Privatdozent Reiner Hanewinkel.

[25.05.2010, 15:19:59]
Dipl.-Med Rainer Höhne 
Was folgt daraus?
Es wird höchste Zeit, den Staat, der an Tabakprodukten Milliarden verdient, mehr an den Kosten, die durch tabakinduzierte Erkrankungen entstehen, zu beteiligen!
Oder: Konsequentes Werbeverbot für Alkohol und Tabakwaren! zum Beitrag »

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