Ärzte Zeitung online, 07.09.2010

Ärzte warnen Schwangere: Kein "Gläschen in Ehren"

BERLIN (dpa). Viele tausend Babys kommen in Deutschland pro Jahr mit Alkoholschäden zur Welt. Die Schätzungen schwanken zwischen 4000 und 10 000 Kindern, die teils schwere körperliche und geistige Schäden davontragen.

"Das ist eine Hypothek fürs ganze Leben. Da wir nicht genau wissen, wann und wie stark Alkohol in der jeweiligen Phase der Schwangerschaft wirkt, sollten Frauen auf jedes Glas verzichten, sobald sie wissen, dass sie schwanger sind", warnt der Kinderarzt Professor Hans-Jürgen Spohr zum "Tag des alkoholgeschädigten Kindes" am 9. September. Studien zufolge trinken 12 bis 15 Prozent der werdenden Mütter mindestens einmal pro Monat Alkohol.

Zusammen mit dem Gynäkologen Professor Joachim Dudenhausen leitet Spohr an der Berliner Charité eines der wenigen Beratungszentren für Kinder mit Fetalem Alkoholsyndrom (FASD) in Deutschland. Initiator ist die "Stiftung für das behinderte Kind". Dort versuchen die Ärzte zunächst, die Schädigung in einem aufwendigen Testverfahren zu diagnostizieren.

"Es gibt mittlerweile dazu ein verlässliches Vier-Punkte-Untersuchungsprogramm", sagt Spohr, der seit über 20 Jahren mit Alkohol-geschädigten Kindern arbeitet. Das Spektrum der Beeinträchtigungen reicht von leichten Konzentrationsproblemen bis zu starken Schäden in der geistigen und motorischen Entwicklung, Wachstumsstörungen und Gesichtsfehlbildungen.

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