Ärzte Zeitung online, 03.01.2011

Spezieller Fragebogen erleichtert Diagnose von Online-Spielsucht

FRANKFURT/MAIN (Smi). Hat jemand eine Online-Spielsucht? Psychologen der Universität Düsseldorf haben einen Fragebogen entwickelt, der eine standardisierte Diagnostik ermöglicht.

Spezieller Fragebogen erleichtert Diagnose von Online-Spielsucht

Ein junger Spieler mitten im Online-Spiel "World of Warcraft".

© dpa

Rollenspiele im Internet sind äußerst beliebt. Allein das bekannteste Spiel "World of Warcraft" verzeichnet weltweit mehr als zehn Millionen Nutzer. Auch die Online-Rollenspielsucht wird häufiger, jedoch gehen die Schätzungen, wie viele Spieler betroffen sind, weit auseinander.

Professor Reinhard Pietrowsky und seine Kollegen vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie beschäftigen sich schon seit Jahren mit dem besonderen Suchtpotenzial von Rollenspielen im Internet. In der Regel sind es junge Männer über 20, die in den virtuellen Traumlandschaften aufgehen und darin viele Stunden am Tag gegen Krieger und Monster kämpfen. Ersten Studien zufolge sind bis zu 20 Prozent der Spieler süchtig, allerdings besteht hier nach wie vor Forschungsbedarf.

"Unter Internet- oder Computerspielsucht wird erst einmal alles gefasst", sagt Frank Meyer, Diplom-Psychologe an der Universität Düsseldorf. "Dabei müssen Online-Rollenspiele gesondert untersucht werden." Denn es seien gerade ihre Besonderheiten im Vergleich zu anderen Computerspielen, die das erhöhte Suchtrisiko der "Massive Multiplayer Online Role-Playing Games" (MMORPGs) ausmachten, so Meyer. Zum einen nennt er die soziale Komponente der Rollenspiele. So sind die Spieler sind nicht allein wie bei anderen PC-Spielen, sondern miteinander vernetzt. Zum anderen ist kein Ende des Spiels definiert, so dass jene Mitspieler, die einmal aussetzen, Angst haben, den Anschluss zu verlieren.

Um die Besonderheiten der Online-Rollenspiele zu erfassen, haben Meyer und Kollegen alle bisher gängigen Diagnosekriterien zusammengestellt und weitere hinzugefügt, die die Wissenschaftler aus Befragungen von Online-Spielern gewonnen haben. Ihren Fragebogen stellen sie auch Kollegen zur Verfügung. Es gibt ihn inzwischen nicht mehr nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, Spanisch, Russisch und Chinesisch.

Weitere Auskünfte erteilt das Institut für Klinische Psychologie der Universität Düsseldorf, Telefon 0211-811-1563, E-Mail klipsych@uni-duesseldorf.de

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