Ärzte Zeitung, 12.04.2011

Kommentar

Unfreiheit, die sich als Freiheit tarnt

Von Michael Hubert

Die freie Entfaltung der Persönlichkeit ist ein Grundrecht. Das steht in Artikel 2 des Grundgesetzes. Diese Freiheit ist - wie alle Grundrechte - nicht grenzenlos. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit endet, wenn die Rechte anderer verletzt sind. Auch das steht im Grundgesetz.

Nun gibt es in Deutschland viele Regeln und Gesetze, die die Freiheit des Individuums einschränken. Es gibt die Anschnallpflicht, Körperverletzung ist strafbewährt. Die Körperverletzung durch Rauchen allerdings nicht.

Trotz aller medizinischen Erkenntnisse ist Tabakrauchen noch immer gesellschaftlich anerkannt. Die Freiheit, nicht (passiv) zu rauchen, ist noch immer kein allgemein anerkanntes Recht. Kein anderes Land in Europa tut sich so schwer mit dem Nichtraucherschutz wie Deutschland. In NRW wird in jeder dritten Gaststätte und in vier von fünf Bars geraucht. Das muss ein Ende haben.

Dabei geht es nicht ums Strafrecht. Es geht nur um das Ende der Unfreiheit für Nichtraucher. Und das bundesweit. Wer nicht rauchen will, darf nicht gezwungen werden. Raucher können ihre Sucht zu Hause befriedigen - oder priemen oder schnupfen. Dann muss niemand unter der Sucht anderer leiden.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Scharfe Kritik an der Tabakpolitik der Bundesregierung

[12.04.2011, 13:22:27]
Tobias Niederecker 
Replik
Sehr geehrter Herr Vetter,
Ihre selbsternannte philosophische Gegenfrage ist nicht philosophisch, sondern ein dummdreist vorgebrachtes Totschlagsargument, das dem Kern der Sache, den Herr Huber in seinem Kommentar dargelegt hat, nicht gerecht wird. Eigentlich braucht nicht erklärt zu werden, dass es nicht um das Verbieten des Rauchens an sich geht, sondern darum, Unbeteiligte vor den Folgen des Passivrauchens zu schützen. Somit ist dies auch keine paternalistische Einmischung in das Selbstbestimmungsrecht der Raucher, sondern eine Pflicht des Staates gegenüber seinen Bürgern, die ein generelles Rauchverbot zu 70% befürworten.
Dieser Pflicht kommt unser Staat nicht ausreichend nach; über die Gründe kann spekuliert werden - von medizinischen und ethischen Gesichtspunkten dürfte die Motivation jedenfalls nicht getragen sein.
Im Übrigen würde auch ein Blick über die Landesgrenze helfen, die politische Debatte in Deutschland als Folge des unsäglichen Schmierentheaters einer kleinen, aber offenbar einflussreichen Lobby zu entlarven: Obwohl hier in Frankreich mehr geraucht wird als in Deutschland, haben unsere Nachbarn darauf verzichtet, sich ihre Freiheit von Zigarettenlobby und Gaststättenverband verteidigen zu lassen. Es wurde ein Rauchverbot in allen Kneipen und Gaststätten eingeführt. Und zwar ohne das völlig unbegreifliche Klein-Klein mit Einraum- Zweiraum- Speise- oder Sonstwie-Gaststätte. zum Beitrag »
[12.04.2011, 11:53:03]
Franz Vetter 
Freiheit versus Unfreiheit - eine bescheidene Gegenfrage
Sehr geehrter Herr Hubert,

sollen wir das Autofahren dann auch gleich mit verbieten, damit wir alle wieder gute Luft zum Atmen haben? Sie werden vielleicht einwenden: Autofahren muss man, rauchen nicht. Auch darauf eine philosophische Gegenfrage: Was muss der Mensch schon, außer sterben? Als sog. Nie-Raucher kann ich den Paternalismus (Ihr sollt so sein wie ich) in der Raucherdebatte kaum mehr ertragen.

Mit freundlichen Grüßen

Franz Vetter zum Beitrag »

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