Ärzte Zeitung online, 29.07.2011

Weg vom Glimmstengel: Plastikröhrchen statt Kippe

CATANIA (mal). Röhrchen in Zigarettengröße namens Paipo, befüllt mit einem in natürlich extrahiertem Aroma getränkten Wattebausch, können Raucher bei der Entwöhnung unterstützen. Besonders gut scheint dies zu klappen, wenn in der Phase des Rauchstopps stark das Herumfingern mit der Zigarette vermisst wird, legt eine Studie nahe.

Weg vom Glimmstengel: Plastikröhrchen statt Kippe

Die letzte Zigarette: Vielleicht klappt es mit der neuen Methode.

© NatUlrich / fotolia.com

Paipo, im Internet angeboten als "die erste nikotin- und rauchfreie Zigarette" gibt es in drei Geschmacksrichtungen: Spearmint, Grapefruit und Eucalyptus-Vanille.

Jedes einzelne wie eine Zigarette aussehendes Röhrchen ist in Plastik eingeschweißt. In einer zigarettenschachtelgroßen Packung sind drei solcher Schein-Zigaretten enthalten.

Forscher um Dr. Pasquale Caponnetto von der Universität Catania in Italien haben in einer Studie geprüft, ob die nikotin- und rauchfreie Scheinzigarette in einem Entwöhnungsprogramm Nutzen bringen kann. Ihre Studienergebnisse haben sie im European Respiratory Journal online veröffentlicht.

Daten von 120 Probanden wurden analysiert

In der Studie nahmen 120 gesunde Raucher an einem Entwöhnungsprogramm teil. Alle Teilnehmer bekamen ein hochdosiertes Nikotinpflaster, Bupropion und wurden zusätzlich beraten.

Weiterhin wurden Informationen gesammelt zu soziodemografischen Daten der Probanden, zu deren Rauchergeschichte sowie zur subjektiven Einschätzung von Depressionen, körperlicher Abhängigkeit und Verhaltensabhängigkeit. Auch die Motivation, mit dem Rauchen aufzuhören, wurde mit einem standardisierten Fragebogen erfasst.

Die Studienteilnehmer wurden einer von zwei Gruppen zugeteilt, wobei in einer zusätzlich die Schein-Zigaretten verwendet werden sollten. Nach vier Wochen wurden die Probanden gefragt, ob sie den Rauchstopp geschafft hatten.

Ähnliche Erfolgsquoten in beiden Gruppen

Ergebnis: Bei der Erfolgsquote nach 24 Wochen gab es keinen signifikanten Unterschied: In der Paipo-Gruppe hatten zu diesem Zeitpunkt 33 Prozent der Probanden nach eigenen Angaben den Rauchstopp geschafft, in der Kontrollgruppe 28 Prozent.

Deutliche Unterschiede fanden Caponnetto und seine Kollegen aber bei den Probanden, die zu Studienbeginn hohe Werte im Score GN-SBQ hatten, der eingesetzt wird, um die Verhaltensabhängigkeit zu erfassen.

Hier hatten innerhalb von 24 Wochen in der Paipo-Gruppe 67 Prozent der Probanden den Rauchstopp geschafft, in der Kontrollgruppe nur 19 Prozent. Die weitere statistische Auswertung brachte Hinweise, dass bei Anwendung von Paipo ein initial hoher Wert im GN-SBQ-Score ein starker unabhängiger Prädiktor für einen erfolgreichen Rauchstopp ist.

Chance für Raucher, die gerne herumfingern?

Von den nikotinfreien Inhalatoren könnten demnach besonders diejenigen Raucher profitieren, für die etwa das Herumfingern mit den Zigaretten oder Anzünd-Rituale wichtige Komponenten des Rauchens sind, die also mit großer Wahrscheinlichkeit (auch) eine ausgeprägte Verhaltenskomponente der Tabakabhängkeit haben.

Die Verhaltens- oder Umfeldabhängigkeit schließt auch häufig wiederholte Gesten ein. Regelmäßige Raucher führen zum Beispiel mehrere hundert Male pro Tag ihre Hand zum Mund.

Ihnen wird etwa geraten, in den Wochen nach dem Rauchstopp die Hände zu beschäftigen und die Zigarettenpackung in der Tasche durch einen anderen Gegenstand zu ersetzen.

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