Ärzte Zeitung, 26.10.2012

Kehlkopf-Schädigungen

Sauferei allein macht die Stimme nicht kaputt

Dass man sich mit Rauchen die Stimme ruiniert, ist bekannt: Keith Richards und Joni Mitchell sind lebende Beispiele dafür. Regelmäßiger oder exzessiver Alkoholkonsum genügt dagegen für sich genommen nicht, um das Organ kaputt zu kriegen.

Von Elke Oberhofer

Sauferei macht die Stimme nicht kaputt

Das Risiko einer laryngealen Läsion ist bei Rauchern gegenüber Nichtrauchern um den Faktor 2,18 erhöht.

© xalanx/fotolia.de

ANYANG, SÜDKOREA. In einer Studie aus Südkorea wurden die Auswirkungen von Rauchen und Trinken auf den Kehlkopf untersucht.

Von 663 Personen über 65, die am Korea National Health and Nutrition Examination Survey teilgenommen hatten, waren 18,2 Prozent Raucher, 55,6 Prozent gaben regelmäßigen Alkoholkonsum an.

Erkrankungen des Kehlkopfes wie Stimmlippenknötchen, Laryngitis, Polypen, Zysten, Granulome, ein Reinke-Ödem oder maligne Neoplasmen wiesen gut 8 Prozent des gesamten Studienkollektivs auf (Laryngoscope 2012, online 18. September).

Dabei war die Prävalenz unter den Rauchern mit insgesamt 13 Prozent fast doppelt so hoch wie bei den Trinkern (6,7 Prozent).

Das Risiko einer endoskopisch festgestellten laryngealen Läsion war bei den Rauchern gegenüber Nichtrauchern um den Faktor 2,18 erhöht.

Dabei spielte es keine Rolle, wann der Teilnehmer angefangen hatte zu qualmen, wie viel er geraucht hatte oder ob er zwischenzeitlich versucht hatte, aufzuhören.

Trinken und Rauchen erhöht Risiko um das Dreifache

Wer dem blauen Dunst ferngeblieben war, hatte dagegen gute Chancen, sein Stimmorgan jungfräulich zu erhalten, auch wenn er dabei über die Maßen soff: Weder extensives regelmäßiges Trinken noch die Quartalssauferei hatten für sich genommen Einfluss auf Stimmstörungen oder andere laryngeale Erkrankungen.

Kamen jedoch beide Laster, Trinken und Rauchen, zusammen, stieg das Risiko um mehr als das Dreifache gegenüber Abstinenzlern an. Rauchen schädigt die Schleimhaut, die die Stimmlippen bedeckt, schreiben die Autoren um Dr. Haewon Byeon vom Daelim University College in Anyang in Südkorea.

Wer langfristig rauche, habe zudem ein eindeutig erhöhtes Risiko für ein Reinke-Ödem. Die Gefährdung sei größer als bei langfristiger Überbeanspruchung der Stimmbänder.

Frühere Studien haben auch ein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt, aber nur für die Kombination Rauchen und Trinken, nicht für ein Laster allein.

Das Problem sei, dass viele Menschen beidem gleichzeitig verfallen, so die Forscher. Dies sei darauf zurückzuführen, dass beide Süchte über das mesolimbische System gesteuert werden, welches für Verstärkung und Belohnung sorgt.

Zudem führen gemeinsame genetische Faktoren dazu, dass man das eine schlecht vom anderen trennen kann.

Quelle: www.springermedizin.de

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