Ärzte Zeitung, 16.06.2014

Raucherentwöhnung

E-Zigaretten sind letzte Wahl

Die Zahl der Freunde von E-Zigaretten wächst rasch. Aber sind die Geräte sicher und taugen sie zur Raucherentwöhnung? - US-Forscher sind da skeptisch.

TAMPA. Das erste Patent für eine elektrische Zigarette stammt aus dem Jahr 1963. Tabakrauchgeschwängert, wie die Zeiten damals waren, hat das kaum jemanden interessiert.

Ein halbes Jahrhundert und eine Vielzahl von öffentlichen Rauchverboten später sind die Apparate, die ihrer Größe wegen meist besser E-Zigarren als E-Zigaretten hießen, in vieler Munde. Und es werden immer mehr.

Besonders Raucher suchen und finden Halt am elektrischen Dampfstängel. In einer US-Umfrage aus dem Jahr 2012 bekannte fast jeder dritte Raucher, schon einmal an einer E-Zigarette gesogen zu haben - zu einer Zeit also, da die Geräte noch nicht einmal groß angepriesen wurden.

Mit dem wachsenden Gebrauch nimmt auch das wissenschaftliche Interesse am Nikotindampf zu. Eine Arbeitsgruppe um Paul Harrell vom Moffitt Cancer Center in Tampa, Florida, hat sich nun einen Überblick über die einschlägige Literatur verschafft(Otolaryngol Head Neck Surg 2014; online 4. Juni).

Die Frage der Sicherheit beantworten die Wissenschaftler nach Einsicht in die Daten vorsichtig positiv: Im Vergleich zu herkömmlichen Tabakzigaretten produzierten Nikotinverdampfer oft wesentlich weniger Gift, was auch für den passiven Konsum gelte.

Sie verschweigen dabei nicht, dass es auch Vergiftungen gibt. Und auch diese nehmen zu, wie Zahlen aus Texas zeigen: Waren in den dortigen toxikologischen Zentren im Jahr 2009 ganze zwei Patienten wegen Vergiftungen durch Konsum von E-Zigaretten behandelt worden, belief sich die Zahl in den ersten drei Monaten des Jahres 2013 bereits auf 17.

Den Betroffenen war es gelungen, sich über Inhalation, Ingestion, transdermal, okulär oder gleich über mehrere Zugänge zu intoxikieren. Unklar sind auch die Langzeitwirkungen der elektrischen Zigaretten.

Was die Chancen angeht, sich mit Dampf den Rauch abzugewöhnen, geben sich Harrell und Kollegen bedeckt. Sie raten, zuerst andere, geprüfte Methoden der Tabakentwöhnung zu versuchen. Die vorliegenden Daten zum Entwöhnungspotenzial der E-Zigarette halten sie nicht für schlüssig.

Das Fazit der US-Forscher zu den Nikotinverneblern lautet: "Diese Geräte sind nicht einheitlich reguliert, von unbekanntem Sicherheitsstatus und ungewissem Nutzen dafür, sich das Rauchen abzugewöhnen." (rb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »