Ärzte Zeitung, 25.03.2015

Rauchende Schwangere

Geldanreiz hilft beim Aufhören

Sieben Prozent aller Schwangeren in Deutschland rauchen. Viele von ihnen können offenbar durch finanzielle Anreize dazu gebracht werden, ihr Laster aufzugeben. Eine Studie zeigt: Diese Maßnahme hat ein sehr günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Von Wolfgang Geissel

Viele Schwangere geben das Rauchen bei Geldanreizen auf

In Deutschland rauchen 7 Prozent aller Schwangeren.

© sonnenflut products / fotolia.com

DÜSSELDORF. Rauchen in der Schwangerschaft erhöht die Raten von Fehlgeburten und tot geborenen Kindern.

Im United Kingdom (UK) werden nach Schätzungen jährlich etwa 5000 Aborte und 113 Totgeburten durch Rauchen in der Schwangerschaft verursacht, wie Dr. Helmut Kleinwechter beim Diabetes Update in Düsseldorf berichtet hat.

Besonders in sozial schwachen Schichten sind dabei Programme zur Entwöhnung wenig erfolgreich. Lässt sich daher die Abstinenzrate durch Anreize verbessern? Der Diabetologe aus Kiel hat bei der Veranstaltung hierzu eine Studie der Universität Glasgow vorgestellt (BMJ 2015: 350: h134).

Jede Fünfte schafft in der Studie den Ausstieg

621 sozial schwache Raucherinnen wurden in der 24. Schwangerschaftswoche randomisiert einer von zwei Gruppen zugeordnet: In der Kontrollgruppe gab es eine persönliche Beratung und für Stopp-Willige eine zehnwöchige Nikotinersatztherapie sowie vier unterstützende Telefonate im Abstand von einer Woche.

Frauen der Interventionsgruppe bekamen zudem Gutscheine von bis zu 400 Pfund (544 Euro) angeboten: 50 Pfund für eine Beratung und Vereinbarung eines Stopp-Termins, 50 Pfund für die mit CO-Ausatemtest bestätigte Abstinenz vier Wochen später, 100 Pfund für Abstinenz nach zwölf Wochen und 200 Pfund für Abstinenz am Ende der Schwangerschaft.

Ergebnis: In der Anreizgruppe stellten 22,5 Prozent der Schwangeren das Rauchen ein, in der Kontrollgruppe waren es 8,6 Prozent.

In Deutschland rauchen 7,2 Prozent aller Schwangeren

Das Geld ist offenbar gut angelegt. Nach Angaben von Kleinwechter werden im UK National Health Service für die Betreuung rauchender Schwangerer jährlich geschätzte 10,4 Millionen Euro aufgewendet sowie 83,2 Millionen Euro für die Folgeprobleme bei Müttern und 30,6 Millionen Euro für Folgeprobleme bei den Kindern im ersten Lebensjahr.

Dem stehen die aus der Studie ermittelten Kosten für ein gewonnenes qualitätsadjustiertes Lebensjahr (QUALY) durch den Anreiz von 482 Pfund (656 Euro) gegenüber.

In Deutschland rauchen nach Daten von 2013 etwa 7,2 Prozent aller Schwangeren. "Deutsche Krankenkassen, allen voran die AOK, wären gut beraten, diesen Weg zur Entwöhnung durch eigene Studien zu überprüfen", so Kleinwechter.

[25.03.2015, 20:50:32]
Dr. Susan Brauner 
Dem eigenen Kind nicht schon gleich anfangs bewußt zu schaden...
sollte doch ein ganz normales Ziel sein. Ohne Geld dafür zu erhalten. Der Geldbetrag steht für die Damen wohl "höher" (es "lohnt" sich), als die gesunde Entwickung und ein möglichst guter Start ins Leben für das eigene Kind. Ich stimme den Kollegen in ihren Punkten voll zu und hab kein Verständnis für diese werdenden Mütter. Makaber, solche Untersuchungsergebnisse... zum Beitrag »
[25.03.2015, 12:14:18]
Dipl.-Med Gesine Liesong 
Ungesund müßte teurer werden
Dem Kollegen kann ich nur beipflichten.
Es ist doch eine verkehrte Welt, wenn ich mit Geld locke, Nichtraucher zu werden. Habe ich das Ziel erreicht, das Geld kassiert, kann ich wieder rauchen? Oder wie langfristig sollte dieses Sponsoring angelegt und betrieben werden?
Wenn ich nicht von Staats wegen die Kosten erhöhe, und dieses Geld den Krankenkassen für Behandlung von Kranken zuführe, sehe ich keinen Sinn darin, für das Unterlassen eines Risikos auch noch bezahlt zu werden. Ich rauche nicht, und wer belohnt mich dafür? Wird ja wohl irgendwann noch jemand auf die Idee, auf Gleichbehandlung zu klagen, kommen zum Beitrag »
[25.03.2015, 10:09:37]
Dr. Joachim Malinowski 
Muss man nun Menschen Geld geben, damit sie sich gesund verhalten?
Ich verstehe diesen Weg nicht. Wie wäre es, wenn man die Zigaretten sehr viel teurer macht, um so über die Kostenschiene die Gesundheit der Menschen präventiv zu schützen.
Aber das geht ja nicht, weil der Staat durch Steuern mitverdient und dies auch weiter tun will. So bleibt alles nur ein halbherziges Unterfangen und Verschiebebahnhof. Das ist vollkommen dumm.

Ich persönlich habe kein Verständnis für Drogenkonsumenten jeder Art, die dann mit ihren Folgekrankheiten nur unser Gesundheitssystem belasten. Ich wäre dafür, dass jeder drogenkonsumierende Mensch auch selbst für die Folgekosten aufkommen muss. Es muss endlich Ernst gemacht werden mit der Forderung zu einem Stopp des schädlichen Konsumverhaltens.

Genauso sollte jeder Risiko-Sport treibende eine Zusatzversicherung dafür abschließen, um die Allgemeinheit nicht zu belasten.
Immer wieder hört man von verunglückten Snowboardern mit SHT, was immenses Geld kostet und am Ende noch frustran verläuft.
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