Ärzte Zeitung, 05.02.2004

Coxibe sind Option für Kranke mit ASS-Intoleranz

Patienten mit Exanthem durch Acetylsalicylsäure vertragen Rofecoxib / Erfolgreiche Heilversuche bei Urtikaria

HAMBURG (grue). Patienten, die klassische nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) schlecht vertragen, etwa Arzneimittel-Exantheme bekommen, können alternativ mit einem Coxib behandelt werden. Denn: In kontrollierten Expositionstests bei Patienten mit Intoleranz von klassischen NSAR waren selektive COX-2-Hemmer gut verträglich.

Darauf hat Professor Wolf-Henning Boehncke vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main in Hamburg hingewiesen.

Der Dermatologe prüfte zum Beispiel Rofecoxib (Vioxx®) bei 37 Patienten mit Arzneimittel-Exanthemen. 28 von ihnen vertrugen keine Acetylsalicylsäure (ASS), die übrigen neun hatten eine multiple NSAR-Unverträglichkeit. "Rofecoxib war dagegen in allen Haut- und Expositionstests unauffällig", sagte Boehncke bei einer Veranstaltung des Unternehmens MSD. Die kumulative Tagesdosis des Coxibs betrug 25 Milligramm.

Zwar gebe es einzelne Berichte von Patienten, die auf selektive COX-2-Hemmer allergisch reagieren, aber meistens seien die neuen Substanzen gut verträglich. Auch bei Patienten mit ASS-induziertem Asthma sei die Behandlung mit selektiven COX-2-Hemmern unbedenklich, wie sechs kontrollierte Studien belegten. "Es wurde dabei kein einziger Asthmaanfall ausgelöst".

Zur Vorsicht rät Boehncke allerdings bei Patienten mit Sulfonamid-Allergie. Die Behandlung mit dem Sulfonamid-Derivat Celecoxib ist bei ihnen kontraindiziert, für Rofecoxib gebe es keine Anwendungsbeschränkungen.

Aufgrund ihres Wirkmechanismus können selektive COX-2-Hemmer in der Dermatologie sogar ausgesprochen nützlich sein, wie Boehncke erläutert hat. Er selbst hat Rofecoxib in einem Heilversuch bei zehn Patienten mit therapierefraktärer Urtikaria geprüft.

Sie wurden zunächst für vier Wochen mit dem Antihistaminikum Desloratadin behandelt und dann für weitere vier Wochen zusätzlich mit Rofecoxib, um die Prostaglandinfreisetzung zu bremsen. Dadurch wurde der Hautbefund der Patienten zunehmend besser. "Das Coxib hält offenbar die noch aktive Urtikaria in Schach", sagte Boehncke. Wurde Rofecoxib während der Therapie abgesetzt, flammten die Hautsymptome wieder auf.

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