Ärzte Zeitung, 29.03.2004

In vielen Leitlinien sind jetzt Coxibe erste Wahl

COX-2-Hemmer zur Schmerz- und Rheumatherapie bei allen Patienten mit hohem Risiko für Magenprobleme empfohlen

FRANKFURT/MAIN (mar). Die selektiven COX-2-Hemmer (Coxibe) sind eine Alternative zu den herkömmlichen nicht-steroidalen Antiphlogistika (NSAR), da sie deutlich besser gastrointestinal verträglich sind. Besonders wichtig ist dies bei Patienten, die bereits ein gastrointestinales Ulkus hatten. Mittlerweile gibt es einige Empfehlungen und Leitlinien, bei welchen Patienten Coxibe verordnet werden sollten.

Zugelassen sind Coxibe zur Behandlung bei Arthrose, rheumatoider Arthritis und bei akuten Schmerzen. Wie in Studien belegt wurde, sind sie ähnlich gut wirksam wie klassische NSAR, jedoch verursachen sie deutlich weniger unerwünschte Begleitwirkungen, vor allem signifikant weniger gastrointestinale Komplikationen wie Ulzera oder Blutungen. Zum Beispiel kam es in der Vigor-Studie bei der Therapie mit Rofecoxib (Vioxx®) zu 50 Prozent weniger Ulkuskomplikationen als mit Naproxen, erinnerte Professor Henning Zeidler aus Hannover beim Deutschen Schmerztag in Frankfurt am Main. Trotzdem würden aus Kostengründen die meisten Patienten nach wie vor mit NSAR behandelt.

Inzwischen sind mehrere Empfehlungen oder Leitlinien zur Verwendung von Coxiben veröffentlicht worden, zum Beispiel vom National Institute of Clinical Excellence (NICE), der American Pain Society, der Deutschen Arzneimittelkommission, der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, der European League against Rheumatism und dem American College of Rheumatology, so Zeidler bei einem Symposium, zu dem das Unternehmen MSD eingeladen hat. Diese Leitlinien stimmen darin überein, daß Coxibe bei allen Patienten eingesetzt werden sollten, die ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Komplikationen haben. Hierzu zählen:

  • Patienten über 60 Jahre sowie Patienten mit gastrointestinalen Ulzera und Blutungen in der Anamnese,
  • Patienten, die andere Medikamente einnehmen, die die Wahrscheinlichkeit von gastrointestinalen Erkrankungen erhöhen können, zum Beispiel Glukokortikoide und Antikoagulanzien,
  • Patienten mit schweren Begleiterkrankungen, etwa Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, kardiovaskuläre Erkrankungen, Hypertonie oder Diabetes mellitus,
  • Patienten, die eine Langzeittherapie mit herkömmlichen NSAR in der Höchstdosis benötigen.

Es hat sich erwiesen, sagte Zeidler, daß viele Patienten, die diese Kriterien erfüllen, noch mit NSAR behandelt werden.

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