Ärzte Zeitung, 07.06.2004

Initiative will die Aufmerksamkeit für Gelenkschmerzen erhöhen

Studie HERAS soll helfen, die Aufklärung zu verbessern / 1500 Patienten nehmen teil

HAMBURG (di). Die Aufklärung zum Thema Gelenkschmerzen und die Therapie Betroffener zu verbessern sind Ziele der Initiative "Stark gegen Schmerz". Um in Deutschland zunächst als Grundlage repräsentative Daten zu Arthroseschmerzen zu gewinnen, wird in Herne noch in diesem Jahr eine epidemiologische Studie gestartet.

Rechte Hand einer Patientin mit Polyarthrose und Heberdenschen Knötchen an den Fingerendgelenken. Foto: slp

"Nur ein informierter Patient kann gut mit seiner Erkrankung umgehen", sagte Professor Josef Zacher bei einer Veranstaltung in Hamburg. Der Vorsitzende der Initiative "Stark gegen Schmerz" forderte zu einer intensiveren Aufklärung von Arthrose-Patienten durch ihre behandelnden Ärzte auf. Viele Patienten vermißten die Information in den Praxen.

Professor Ludger Pientka aus Herne will als Grundlage für eine bessere Aufklärung repräsentative Zahlen liefern. Noch in diesem Jahr startet er daher die Herner Arthrose-Studie - HERAS -, in der Daten etwa zu Häufigkeit von Arthrose, Behandlungsstrategien und Kosten erhoben werden sollen.

Die Stadt in Westfalen eignet sich nach Pientkas Angaben für die Untersuchung, weil die Bevölkerung durchschnittliche Merkmale aufweist, ihr Altersdurchschnitt aber fünf Jahre über dem bundesweiten Mittel liegt. 9000 Fragebögen werden verschickt, 1500 Patienten untersucht. Dabei sollen außer der ärztlichen Behandlung und eventuellen Komplikationen etwa auch die Lebensqualität der Patienten ermittelt werden.

Aus früheren Untersuchungen sei bekannt, daß ein Viertel der Arthrose-Patienten nicht zum Arzt geht, obwohl ein Drittel dieser Gruppe Dauerschmerzen hat, so Pientka. Bei der Medikamentenanwendung bestünden bei vielen Arthrose-Patienten offenbar große Vorbehalte wie Angst vor Abhängigkeit. Dadurch gerieten viele Patienten in einen Teufelskreis: Die Angst vor unerwünschten Wirkungen führe zu einem sozialen Rückzug und geringerer Aktivität, dann zu einem Mobilitäts- und Kraftverlust und schließlich zu noch größerem Bewegungsschmerz.

Zacher hält eine effektivere Therapie bei Arthrose mit modernen Medikamenten für möglich. Außer mangelnder Aufklärung behindern aus seiner Sicht in Deutschland derzeit vor allem zwei Gründe diese Entwicklung: Unter Budgetbedingungen scheuten viele Ärzte die innovativen Arzneimittel, die effektiv helfen könnten, und: Das Thema Gelenkschmerz habe in der Öffentlichkeit und im Gesundheitswesen einen zu geringen Stellenwert. Um den zu erhöhen, ist die Initiative derzeit, wie bereits kurz gemeldet, mit Senta Berger unterwegs. Sie appellierte in Hamburg: "Wir müssen über Arthrose genauso aufklären wie über Karies. Damit fangen wir jetzt an."

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