Ärzte Zeitung, 19.11.2004

Wegen Schmerzen wechseln Krebskranke häufig den Arzt

Durchschnittlich fünf Arztwechsel innerhalb von zwei Jahren bei Patienten mit Tumorschmerzen / Doktor-Hopping auch bei Migräne-Patienten

HAMBURG (grue). Unzureichende Schmerzlinderung ist für Patienten mit chronischen Schmerzen ein häufiger Grund für Doktor-Hopping. Zum Beispiel wechseln Krebspatienten wegen Tumorschmerzen in zwei Jahren durchschnittlich fünfmal den Arzt.

In Deutschland leben derzeit etwa elf Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. Auf deren Behandlung haben sich etwas mehr als 1000 Ärzte verschiedener Fachrichtungen spezialisiert, unter anderem in 450 schmerztherapeutischen Einrichtungen.

Doch nur jeder fünfte Schmerzpatient werde von einem dieser Spezialisten behandelt, hieß es bei einer Veranstaltung im Schmerzzentrum Hamburg. Umgekehrt sei es auch schwierig, Schmerzpatienten aus Therapiezentren wieder an ihre Hausärzte zu überweisen, da diese Budgetüberschreitungen fürchten.

Daß bereits die Primärversorgung Lücken aufweist, verdeutlichte Dr. Maja Falckenberg aus Hamburg. So hätten zwei von drei schwerstkranken Patienten, die in das von ihr betreute Hospiz kämen, zuvor keine stark wirksamen Analgetika bekommen, berichtete die Palliativmedizinerin. "Schmerzen sind auch der häufigste Grund, weshalb Patienten selbst in ihrer letzten Lebensphase wiederholt ins Krankenhaus müssen". Außerdem wechselten Kranke wegen unzureichend gelinderter Schmerzen mehrfach den Arzt.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. gehen Krebskranke wegen Tumorschmerzen innerhalb von zwei Jahren durchschnittlich zu fünf verschiedenen Ärzten. Migränepatienten suchen im Mittel sogar mehr als 19 Jahre nach Hilfe und wenden sich dafür an durchschnittlich elf Ärzte.

Wie effektiv eine frühe und gezielte Schmerztherapie sein kann, verdeutlichte der Hamburger Schmerzspezialist Dr. Dietrich Jungck: Von 1026 Patienten mit Gürtelrose, bei denen innerhalb von zwei Wochen nach Symptomenbeginn mit der Schmerztherapie begonnen wurde, entwickelten nur elf Patienten eine klinisch relevante postzosterische Neuralgie. Ohne adäquate Schmerztherapie, zu der auch Regionalanästhesien unter Einschluß des N. sympathicus gehörten, hätten mindestens 40 Prozent der Zoster-Patienten für lange Zeit Schmerzen.

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