Ärzte Zeitung, 12.01.2005

Gute Analgesie vor Eingriff schützt Kinder vor Trauma

LEIPZIG (grue). Mehr noch als Erwachsene brauchen Kinder vor einem schmerzhaften Eingriff eine effektive Schmerztherapie. Sonst verlieren sie das Vertrauen in Ärzte, sind vor Folgeeingriffen kaum zu beruhigen und brauchen umso mehr Schmerzmittel.

Darauf hat Dr. Reinhard Sittl von der Universität Erlangen-Nürnberg beim Deutschen Schmerzkongreß in Leipzig hingewiesen. So könnten schmerzhafte Lumbal- oder Knochenmarkpunktionen ein Kind schon nach der ersten Prozedur derart traumatisieren, daß sie fortan Spritzen immer mit Schmerzen verbinden. "Eine solche Konditionierung muß unbedingt verhindert werden", so Sittl.

Der Pädiater rät daher vor schmerzhaften diagnostischen und therapeutischen Eingriffen zu einer standardisierten Akutschmerztherapie. Diese sei allerdings selbst in kinderonkologischen Abteilungen nur zu 30 Prozent etabliert.

Bei einer Punktion bewährt hat sich nach Angaben des Pädiaters zum Beispiel eine Prämedikation mit Midazolam 0,05 mg/kg intravenös drei bis fünf Minuten vor dem Eingriff oder mit Fentanyl 1 µg/kg, das drei Minuten vor dem Eingriff langsam intravenös gespritzt wird. Je nach Wirkung könne noch eine halbe Dosis zusätzlich gegeben werden, so Sittl. Alternativ eignen sich S-Ketamin oder Propofol für die Analgosedierung.

Allgemein haben sich Metamizol, Paracetamol, Diclofenac und Ibuprofen, in der Akutschmerztherapie bei Kindern bewährt. "Bei starken anhaltenden Schmerzen reichen diese Substanzen aber nicht", so Sittl. Oft sei es dann nötig, die Kinder mit Morphin oder Piritramid einzustellen. Werde eine solche Opioidtherapie gut überwacht, könne sie auch als patientenkontrollierte Analgesie über Pumpensysteme weitergeführt werden, sagte der Pädiater. Das gelte etwa für Kinder mit einer sehr schmerzhaften Mukositis nach Chemotherapie.

Als aktuelles Handbuch empfiehlt sich die "Schmerztherapie bei Kindern", Hrsg. Boris Zernikow, Springer Verlag Berlin Heidelberg 2003, Euro 34,95.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »