Ärzte Zeitung, 27.09.2005

Pregabalin hilft auch Patienten mit zentraler Neuropathie

Studie mit 137 Patienten mit Rückenmarkverletzungen /  Deutliche Schmerzreduktion bei 42 Prozent der Studienteilnehmer

WIESBADEN (mar). Pregabalin, das seit einem Jahr in Deutschland zur Therapie bei peripheren neuropathischen Schmerzen zur Verfügung steht, ist offenbar auch bei zentralen neuropathischen Schmerzen wirksam. In einer Studie mit 137 Patienten, die neuropathische Schmerzen aufgrund von Rückenmarkverletzungen hatten, ließen sich die Schmerzen mit dem Antikonvulsivum deutlich reduzieren.

Das hat Professor Ralf Baron aus Kiel beim Neurologen-Kongreß in Wiesbaden berichtet. In der randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie wurden die Patienten zwölf Wochen lang mit Pregabalin (Lyrica®) in individuell erforderlichen Dosierungen (150 mg bis 600 mg) behandelt. Als Ansprechen auf die Therapie war eine Schmerzreduktion um mindestens 30 Prozent definiert worden.

Zu einer solchen Schmerzlinderung war es am Studienende bei 42 Prozent der Patienten der Verumgruppe gekommen, mit Placebo nur bei 16 Prozent. Baron hofft, daß sich dieses positive Ergebnis der Pregablin-Therapie in weiteren Studien bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen nach Rückenmarkverletzungen untermauern läßt.

Bei Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen wie diabetischer Polyneuropathie oder Postzosterneuralgie habe man mit Pregabalin gute Erfahrungen gemacht, erläuterte der Neurologe bei einem Symposium von Pfizer. In Placebo-kontrollierten Studien mit mehr als 2700 Patienten sei nachgewiesen, daß die schmerzlindernde Wirkung bereits in den ersten Behandlungstagen eintritt. Bei vielen Patienten sei die Initialdosis von 75 mg jeweils morgens und abends bereits ausreichend.

Je nach individueller Verträglichkeit kann die Dosierung - falls erforderlich - nach drei bis sieben Tagen auf zweimal 150 mg pro Tag erhöht werden. Bei Bedarf ist eine weitere Dosissteigerug auf zweimal täglich 300 mg nach sieben Tagen möglich. Im Vergleich zu Gabapentin sei Pregabalin einfacher zu handhaben, da kein langsames Auftitrieren der Dosis notwendig ist, sagte Baron.

Von Vorteil sei auch, daß Pregabalin auch den Schlaf verbessere, denn Schlafstörungen sind eine häufige Begleiterkrankung bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen. Dabei ist die positive Wirkung auf den Schlaf unabhängig vom schmerzlindernden Effekt der Substanz. Pregabalin sei auch in der Langzeitanwendung wirksam und sicher, so Baron.

Dies belegten Erfahrungen mit mehr als 650 Patienten. Nach mehr als 60 Wochen Therapie in offenen Langzeitstudien wurde keine Toleranzentwicklung beobachtet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »