Ärzte Zeitung, 02.10.2006

Neuer Strumpf lindert Phantomschmerz

Metallhaltiges Gewebe schirmt elektromagnetische Felder ab / Wirksamkeit in Placebo-kontrollierter Studie geprüft

HAMBURG (mut). Mit einem speziellen Strumpf lassen sich Phantomschmerzen nach Beinamputation deutlich lindern. Der Strumpf enthält Metallfäden, die den Beinstumpf vor elektromagnetischen Feldern abschirmen. Die Wirksamkeit wurde jetzt in einer Placebo-kontrollierten Studie geprüft.

Ein spezieller Strumpf (grau) schirmt den Beinstumpf vor elektromagnetischen Feldern ab. Foto: medi Bayreuth

Elektromagnetische Felder werden als eine Ursache für Phantomschmerzen diskutiert. Das hat Dr. Kai Uwe Kern vom Schmerz- und Palliativzentrum Wiesbaden in Hamburg berichtet. Solche Felder könnten möglicherweise im Stumpf freiliegende Nervenfasern reizen.

Kern hat jetzt auf einer Veranstaltung im Vorfeld der Medica 2006, der weltgrößten Medizintechnik-Messe, eine Studie bei 30 Patienten mit Phantomschmerzen vorgestellt. Darin wurde ein neuer Strumpf getestet, der elektromagnetische Felder wie ein Faraday’scher Käfig fast vollständig abschirmt.

Bei dem Strumpf, der vom Unternehmen medi Bayreuth als medipro®Liner Relax angeboten wird, handelt es sich um einen Liner, also ein Verbindungsstück zwischen Beinstumpf und Prothese, das über den Amputationsstumpf gezogen wird. Der neue Liner enthält ein spezielles Metallgewebe, das vor elektromagnetischen Feldern schützt. In der Studie wurde der abschirmende Liner gegen einen konventionellen Liner (Placebo) verglichen, der in Größe, Gewicht und Farbe identisch war.

Die Patienten erhielten zunächst zwei Wochen lang keinen Liner, dann zwei Wochen den abschirmenden und zwei Wochen den konventionellen Liner. Sie wußten aber nicht, wann sie welchen Liner trugen.

Die Ergebnisse: Ohne Liner gaben die Patienten auf einer analogen Schmerzskala mit maximal zehn Punkten (stärkster Schmerz) einen Tagesmittel-Wert von 4 an. Mit Placebo (konventioneller Liner) blieb dieser Wert gleich, mit dem abschirmenden Liner war er auf 2,5 Punkte gefallen.

Ähnlich war das Ergebnis bei den täglichen Schmerz-Maxima: Sie lagen ohne Liner bei 6 Punkten, mit konventionellem Liner bei 4 und mit dem abschirmenden Strumpf bei 3 Punkten. Die Unterschiede waren alle statistisch signifikant. Insgesamt gaben 77 Prozent der Patienten mit dem neuen und 36 Prozent mit dem konventionellen Liner an, daß die Schmerzen geringer waren.

STICHWORT

Beinamputationen

Häufigkeit: In Deutschland leben etwa 220 000 Menschen mit Beinamputation. Jedes Jahr werden bei etwa 28 000 Menschen Beine abgenommen. Drei Viertel der Betroffenen sind bei Op über 60 Jahre alt.

Ursachen: Bei 80 Prozent der Amputationen sind arterielle Durchblutungsstörungen die Ursache. Nur 20 Prozent verlieren ihre Beine durch Unfälle, Tumoren oder angeborene Fehlbildungen.

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