Ärzte Zeitung, 18.05.2007

Analgesie ohne Obstipation durch Opioid-Kombi

Naloxon antagonisiert die obstipierende Wirkung von Oxycodon / Systemisch-analgetische Wirkung bleibt erhalten

KÖLN (nsi). Fünf bis acht Millionen Menschen in Deutschland haben chronische Schmerzen, und müssten deshalb behandelt werden. Aber nur etwa 1,5 Millionen werden tatsächlich therapiert. Daran hat Dr. Bernd Brüggenjürgen von der Charité beim zweiten Deutschen Schmerzgipfel des Unternehmens Mundipharma erinnert.

Dr. Gerhard Müller-Schwefe ist Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums in Göppingen. Foto: do

Zur Behandlung bei starken Schmerzen sind Opioide bekanntlich sehr wirksame Medikamente. "Der guten analgetischen Wirkung stehen aber unerwünschte Wirkungen entgegen, vor allem Obstipation. Durch unerwünschte Wirkungen verschlechtert sich die Compliance und die theoretisch erreichbaren Behandlungserfolge werden zunichte gemacht", sagte Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums in Göppingen.

Eine gut wirksame Alternative zu herkömmlichen Opioiden sei eine Fixkombination aus retardiertem Oxycodon und Naloxon (Verhältnis 2:1), die Mundipharma als Targin® in zwei Dosierungen anbietet. Das Naloxon sei gewissermaßen eine "eingebaute Obstipationsbremse", berichtete Müller-Schwefe: Es antagonisiert die Wirkung des Oxycodons, und zwar bei oraler Gabe fast ausschließlich im Darm. Dabei wird die systemisch-analgetische Wirkung des Opioids nicht beeinträchtigt.

Fixkombi ist bei 80 Prozent der Verordnungen eine Option

Die Fixkombination decke, als Basisopioid verschrieben, etwa 80 Prozent der üblichen Verordnungen ab und beuge zugleich der Obstipation vor. Bei Patienten, die wegen der gleichzeitigen Einnahme eines anderen Opioids unter Verstopfung litten, gingen diese Beschwerden bei einem Wechsel auf das Kombinationspräparat zurück; es gebe allerdings eine Auswaschphase, die bis zu zwei Wochen dauern könne, so Müller-Schwefe. Bei Patienten, die schon vor einer Opioidtherapie unter Obstipation litten, beuge die Kombination einer Verschlechterung vor.

Müller-Schwefe riet, Patienten genau zu fragen, wie sie mit ihrer Medikation zufrieden sind. "Wir fragen unsere Patienten meistens, ob sie mit der Analgesie zufrieden sind. Dazu fragen wir vielleicht noch nach der Frequenz des Stuhlgangs, aber nicht nach weiteren Details", sagte Müller-Schwefe.

In der Anamnese ist Befragung zur Stuhlfrequenz wichtig

Es sei jedoch wichtig zu wissen, ob die Patienten lange pressen müssten, um den Darm zu entleeren, mit den Fingern nachhelfen müssten oder regelmäßig Einläufe bräuchten. "Manche Patienten trauen sich so lange nicht aus dem Haus, bis sie nach einem Einlauf auf die Toilette konnten, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass sie sonst von einem unkontrollierbaren Stuhldrang überrascht werden können", sagte Müller-Schwefe. Selbst nach einem Einlauf und Stuhlgang könne plötzlich dünnflüssiger Stuhl abgehen. "Wir dürfen uns nicht scheuen, Patienten unter Opioidtherapie nach der Art und Weise zu fragen, wie sie den Darm entleeren können."

Viele Patienten scheuten sich, Einzelheiten anzusprechen, obwohl ihre Lebensqualität durch Stuhlgangprobleme erheblich beeinträchtigt sei. Und die hätten 70 bis 80 Prozent der Patienten bei einer Behandlung mit Opioiden, so Müller-Schwefe.

STICHWORT

Opioid-Typen

Opioide sind synthetisch hergestellte oder körpereigene Substanzen. Es gibt drei Typen von Opioiden:

  • Opioide mit Morphin-Wirkung
  • Opioide mit gleicher Rezeptor-
    Spezifität wie der Morphintyp, aber inkompletter Rezeptor-Aktivierung
  • Atypische Opioide oder Opioide als gemischte Agonisten-Antagonisten.

(eb)

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