Ärzte Zeitung, 18.02.2008

Per Doppelklick zur Schmerzfreiheit

Mit einem iontophoretischen System lassen sich postoperative Schmerzen komfortabel lindern / Fentanyl wird per Knopfdruck freigesetzt

ESSEN (hem). Postoperative Schmerzen lassen sich mit einem neuen Applikationssystem wesentlich komfortabler kontrollieren als bisher. Die Schmerzmittelpumpe IONSYS® von Janssen-Cilag kommt ohne Schlauch und Nadel aus. Sie transportiert den Wirkstoff Fentanyl über ein elektrisches Feld in die Blutbahn. Sie ist nicht größer als eine Scheckkarte und wird vom Patienten selbst bedient.

Kleiner als eine EC-Karte: Die Schmerzmittelpumpe IONSYS® mit dem Wirkstoff Fentanyl.

Foto: hem

Bei der neuartigen Applikationsmethode handelt es sich nicht um ein herkömmliches transdermales System, wie es von Schmerzmittelpflastern bekannt ist. Das Depot wird zwar auch auf die Haut geklebt, etwa am Oberarm oder auf die Brust. Der Wirkstoff diffundiert aber nicht passiv, sondern wird vielmehr aktiv abgegeben.

Wie Professor Stefan Grond vom Klinikum Lippe-Detmold erläutert hat, beruht die Wirkstoff-Freisetzung auf dem Prinzip der Iontophorese. Dabei macht man sich die positive Ladung des Schmerzmittels Fentanyl zunutze. Per Knopfdruck wird ein schwacher, nicht wahrnehmbarer Strom von 170 Mikroampere erzeugt, der über zehn Minuten eine Dosis von 40 μg des Analgetikums durch die Haut schickt. Durch den aktiven Transport gelangt der Wirkstoff rasch in die Blutbahn und bildet kein Depot in der Haut. Die Applikation nimmt der Patient selbst vor. Je nach Bedarf löst er per Doppelklick eine Bolusgabe aus.

Der Wirkstoff flutet zwar nicht so schnell an wie bei einer intravenösen Infusion, berichtete Grond. Dafür unterbleiben aber kurzzeitige Spitzenspiegel, die ansonsten unerwünschte Wirkungen hervorrufen können. In Vergleichs-Studien mit mehr als 2 500 Patienten beurteilten 83 Prozent der Patienten den Therapieerfolg der iontophoretischen Applikation als gut bis hervorragend.

Das waren ebenso viele wie bei einer Therapie mit intravenöser Analgesie (83 Prozent). Bei der Schmerzintensität und den opioidbedingten unerwünschten Wirkungen ergaben sich keine Unterschiede. Atemdepressionen wurden nicht beobachtet. In einer Studie berichteten allerdings 38 Prozent der Patienten von einem Erythem nach iontophoretischer Applikation. Die Beschwerden bildeten sich jedoch stets spontan zurück.

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