Ärzte Zeitung online, 01.10.2008

Religiöses Gefühl löst schmerzlindernde Hirnfunktion aus

LONDON (dpa). Die oft beobachtete Schmerzlinderung bei starken religiösen Gefühlen wird nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern von einer speziellen Gehirnregion gesteuert. Forscher um Dr. Katja Wiech von der Universität Oxford konnten bei Versuchen die entsprechende Region im Frontallappen der Großhirnrinde ausfindig machen.

Die Wissenschaftler erhoffen sich nach Angaben vom Dienstag von den Erkenntnissen unter anderem neue Ansätze für die Schmerztherapie.

Bei einem Experiment verabreichten die Forscher je einem Dutzend praktizierender Katholiken und Nicht-Gläubigen Elektroschocks, wobei den Testpersonen ein Bild der Jungfrau Maria und ein ästhetisch ähnliches Gemälde von Leonardo da Vinci gezeigt wurde. Anschließend wurden die Teilnehmer befragt, wie stark die Schmerzen waren und welches Bild ihnen besser gefallen hatte.

Die Katholiken favorisierten das religiöse Motiv und berichteten von deutlich geringeren Schmerzen, wenn sie das Maria-Gemälde betrachteten, obwohl sie demselben Schmerzimpuls wie die anderen Testteilnehmer ausgesetzt waren. Der anderen Testgruppe gefiel das nicht-religiöse Bild besser, aber der Schmerz war während dessen Betrachtung nicht geringer.

Während des Versuchs wurden die Gehirne der Testpersonen einer funktionellen Magnetresonanztomografie unterzogen. Dabei wurden bei den Katholiken starke Aktivitäten in einem Hirnbereich hinter der Stirne (rechter ventrolateraler präfrontaler Cortex) nachgewiesen, wenn sie die Jungfrau Maria betrachteten.

Dieser Bereich des Gehirns ist unter anderem dafür zuständig, einer schlechten Erfahrung positive Bedeutung zu geben, um damit besser umgehen zu können. Bei den Nicht-Gläubigen tat sich in dieser Region während des Versuchs nichts.

Abstract der Studie "An fMRI study measuring analgesia enhanced by religion as a belief system" im Fachjournal "Pain"

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