Ärzte Zeitung, 21.11.2008

Neuropathie-Schmerz? Das kann an zu enger Hose liegen

Jeder dritte Patient mit neuropathischen Schmerzen ist Diabetiker / Stanzbiopsie der Haut für die Diagnostik

DÜSSELDORF (hub). Regional begrenzter Haarverlust muss kein dermatologisches Problem sein. Verbunden mit Sensitivitätsverlust kann auch eine Neuropathie dahinterstecken.

Von einem Patienten mit fast kreisrundem Haarverlust am Oberschenkel berichtete Professor Ingo Husstedt vom Uniklinikum Münster. Da die Region auch reizunempfindlich war, vermutete der Neurologe eine Neuropathie. "Ursache solcher Neuropathien sind etwa zu enge Hosen", sagte Husstedt beim Medica-Kongress. Sie seien in der Praxis allerdings eher eine Rarität. Bekanntlich sind die Schmerzen bei Neuropathien in der Regel distal-symmetrisch lokalisiert: zu 96 Prozent an den Händen, zu 40 Prozent an den Füßen.

Jeder dritte Patient mit neuropathischen Schmerzen sei Diabetiker, bei mehr als jedem Fünften bleibt die Ursache unklar. Jede zehnte Neuropathie sei auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen, so Husstedt. "In französischen Weinbauregionen sind allerdings 80 Prozent der neuropathischen Schmerzen alkoholbedingt." Etwa ein Prozent der Bevölkerung habe eine hereditäre Form der Neuropathie. Hier gebe es einen zuverlässigen neurogenetischen Bluttest.

Für die (Labor-)Diagnose einer Neuropathie erwartet Husstedt, dass sich in Zukunft ein Hauttest etabliert. Der Neurologe stanzt aus der betroffenen Region ein wenig Haut aus. Mit einer speziellen Färbung werden die Nervenfasern sichtbar gemacht. Unter dem Mikroskop sind dann typische Nervenveränderungen als Folge des neuronalen Umbaus bei Neuropathie zu sehen. "Die etablierte Neurografie ist lange nicht so sensibel", sagte Husstedt.

In der Therapie von Patienten mit neuropathischen Schmerzen steht das Vorgehen gegen die Grunderkrankung an erster Stelle, erinnerte Husstedt. Als Analgetikum rät er zunächst zu Paracetamol oder Naproxen. Im nächsten Schritt kommen Antikonvulsiva wie Pregabalin (Lyrica®) oder Gabapentin zum Einsatz. Danach ist eine Kombination mit Antidepressiva wie Duloxetin indiziert. So werde die Verfügbarkeit von Serotonin und Noradrenalin erhöht. Durch den neuropathischen Umbau an den Synapsen komme es zu einem Mangel dieser Botenstoffe.

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