Ärzte Zeitung online, 12.03.2009

Chronisch krank und mit Medikamenten zur Arbeit - Mediziner warnen

AACHEN (dpa). Etwa jeder zweite deutsche Arbeitnehmer ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin chronisch krank. Dieser Anteil nehme in unsicheren Zeiten zu. Viele Betroffene unterschätzten die Beeinträchtigung durch Medikamente, die vor allem bei Arbeiten an Maschinen gefährlich sein könne, sagte Professor Thomas Kraus am Mittwoch in Aachen.

Der Arbeitsmediziner forderte bei der Jahrestagung der Gesellschaft eine deutlich bessere Aufklärung durch Betriebsärzte. Zu den häufigsten Krankheitsbildern chronisch Kranker zählen demnach Bandscheibenvorfall, Bluthochdruck, Bronchitis und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, sagte Kraus.

"Krank und trotzdem arbeiten? - Der chronisch Kranke im Erwerbsleben" ist eines der Kernthemen der Jahrestagung. Umfragen in Unternehmen zeigten, dass chronische Erkrankungen von Beschäftigten in wirtschaftlich angespannten Zeiten zunähmen, sagte Kraus. Die Angst um den Arbeitsplatz führe zu seelischem Dauerdruck, der in vielen Fällen krank mache.

Betroffene sollten bei der Einnahme von Medikamenten Warnhinweise im Beipackzettel ernst nehmen, warnte der Mediziner. Ein Gabelstapler-Fahrer etwa, der wegen eines in dieser Berufsgruppe oft verbreiteten Bandscheibenvorfalls Schmerzmittel nehme, sollte sich seiner eingeschränkten Konzentration bewusst sein. Dass er sich und Arbeitskollegen gefährde, werde viel zu sehr unterschätzt. Bei der Tagung in Aachen informieren sich 800 Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis zu weiteren Themen wie "Unfallprävention und arbeitsmedizinische Vorsorge".

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