Ärzte Zeitung online, 04.05.2009

Deutscher Vertretungsarzt ist schuld am Tod eines Patienten in England

LONDON (dpa). Ein übermüdeter Vertretungsarzt aus Deutschland hat mit einem Behandlungsfehler den Tod eines 70 Jahre alten Patienten in England verursacht und damit die Aufsichtsbehörden aufgeschreckt.

Bei seiner ersten Vertretungsschicht im Königreich wurde der Arzt aus Witten (Nordrhein-Westfalen) außerhalb der Sprechstundenzeiten zu einem Routine-Hausbesuch bei dem 70-Jährigen in der Grafschaft Cambridgeshire gerufen, der unter Nierenschmerzen litt. Aus Müdigkeit spritze der Arzt dem Mann eine tödliche Überdosis Schmerzmittel.

Der Arzt mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung wurde wegen Fahrlässigkeit von einem deutschen Gericht zu neun Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt, wie britische Zeitungen am Montag berichteten.

Der Arzt, der weiter in Deutschland praktiziert, hatte sich bei den Hinterbliebenen des 70-Jährigen schriftlich entschuldigt und seinen Fehler mit "extremem Stress" begründet. Er sei aus Deutschland eingeflogen, dann per Mietwagen zur Agentur und danach weiter ins Krankenhaus gefahren. Vor Antritt seiner Schicht habe er nur drei Stunden Schlaf gehabt, hieß es in dem Brief, der der Zeitung "The Guardian" vorlag.

Die britische Gesundheitsaufsicht kündigte am Montag an, den Fall aus dem Februar 2008 unter die Lupe zu nehmen. "Das ist ein sehr beunruhigender Fall, der muss gründlich untersucht werden. Wir müssen sicherstellen, dass wir die Lehren daraus ziehen." Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums bedauerte, dass der Mann nicht in Großbritannien zur Rechenschaft gezogen wurde.

Weil die meisten Arztpraxen in Großbritannien keinen eigenen Wochenend- oder Nachtdienst mehr haben, schließen spezielle Agenturen diese Lücken mit Bereitschaftsärzten. Vor allem in ländlichen Gebieten ist es aber schwer, dafür genug britische Ärzte zu finden. Deshalb werden die freien Schichten zunehmend an ausländische Ärzte vergeben.

[06.05.2009, 14:43:54]
Dr. Manfred Peters 
Vertretung als GP in England
Bei dem Arzt aus Deutschland handelt es sich um einen aus Nigeria stammenden Arzt, der in Deutschland lebt. 2 Todesfälle sollen in England auf sein Konto gehen. Inzwischen wurde er schon in Deutschland bestraft, ein zweite Strafe in England ist nicht möglich.  zum Beitrag »

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