Ärzte Zeitung online, 16.04.2010

Schmerzen nach Op sind bei Kranken mit Depression stärker als bei anderen

WÜRZBURG (eb). Patienten mit einer Depression haben nach operativen Eingriffen stärkere Schmerzen als andere Patienten. Die Betroffenen haben bei der Behandlung mit Schmerzmitteln auch mehr Nebenwirkungen. Allerdings profitieren sie auch stärker als andere von einer standardisierten Schmerztherapie.

Den Zusammenhang zwischen Depression und Schmerzempfinden nach einem orthopädischen Eingriff haben jetzt Würzburger Forscher um Dr. Sascha Goebel in einer Studie untersucht. Das Ergebnis präsentieren sie in der Zeitschrift "Der Schmerz" (24, 2010, 54, dem offiziellen Organ der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), der Öffentlichkeit. Aufgrund der Studienergebnisse empfehlen die Forscher, Patienten vor Eingriffen mit Hilfe von Fragebogen auf eine mögliche Depression zu testen, um die Schmerztherapie entsprechend anpassen zu können.

Depressive Patienten klagen oft auch über chronische Schmerzen, umgekehrt verändern chronische Schmerzen die Stimmungslage. Der Zusammenhang zwischen Schmerz und Depression wurde bislang oft mit experimentellen Schmerzreizen untersucht. Die Würzburger Forscher verfolgten einen neuen Ansatz: Sie prüften den Zusammenhang zwischen Schmerzen nach einer Operation und dem Vorliegen einer Depression. Die Forscher nahmen in die Studie 492 Patienten zwischen 18 und 79 Jahren auf, die sich einem orthopädischen Eingriff unterziehen mussten. Sie teilten sie zwei Gruppen zu: Die eine Gruppe erhielt eine unsystematische Schmerztherapie nach Bedarf, die andere eine standardisierte Schmerztherapie, zu der auch der "Würzburger Schmerztropf" nach dem Eingriff gehört. Vor der Operation wurde mein einem Fragebogen ermittelt, ob der Patient an einer Depression leidet. Betroffen waren am Tag der Operation 14,5 oder 17,3 Prozent der Befragten beider Gruppen.

Depressive profitieren mehr von der Schmerztherapie

Nach der Operation wurde regelmäßig die Schmerzintensität gemessen. Die Patienten wurden an den ersten beiden Tagen alle zwei, danach bis zum zehnten Tag alle vier Stunden gebeten, die Stärke ihres Schmerzes auf einer Skala von 1 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster vorstellbarer Schmerz) anzugeben. Außerdem wurde festgehalten, ob und welche Nebenwirkungen der Schmerzmedikation auftraten.

Die Patienten mit Depressionen gaben ein höheres Schmerzniveau an als Nicht-Depressive: Direkt nach der Operation lag der Mittelwert in der Gruppe mit Bedarfsmedikation bei Depressiven bei 4, bei Nicht-Depressiven bei 2,4. In der Gruppe mit der standardisierten Therapie lagen die Werte bei 2,3 (Depressive) oder 1,5 (Nicht-Depressive). Auch an den folgenden Tagen gaben depressive Patienten höhere Schmerzniveaus an. Allerdings profitierten sie auch deutlicher von der standardisierten Therapie. Schmerzmittelbedingte Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kreislauf- und Verdauungsbeschwerden traten bei Depressiven häufiger auf als bei Nicht-Depressiven.

Wegen der häufigeren Nebenwirkungen von ganzkörperlich wirksamen Schmerzmedikamenten raten die Wissenschaftler dazu, bei depressiven Patienten vermehrt regionale Anästhesieverfahren anzuwenden und gegebenenfalls eine Schmerzreduktion durch begleitende Psychotherapie oder Psychopharmaka zu bewirken.

[19.04.2010, 12:48:21]
Christine Hartmann 
Zuwendung bei standartisierter Schmerztherapie berücksichtigt?
Depressive Patienten profitieren auch mehr als andere von regelmäßiger Zuwendung. Diese Regelmäßigkeit ist bei der Gabe von reiner Bedarfsmedikation im Gegensatz zur standartisierten Schmerztherapie nicht gegeben.

Wurde dieses m.E. doch signifikante Kriterium in den Aufbau/die Auswertung der Untersuchung einbezogen?

Christine Hartmann, München
Heilpraktikerin (Psychotherapie) zum Beitrag »

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