Ärzte Zeitung, 19.10.2010
Schmerz bei Neugeborenen hinterlässt langfristig Spuren
Werden Frühgeborene schmerzhaften Reizen ausgesetzt, beeinflusst dies dauerhaft die
Schmerzverarbeitung.
MANNHEIM (eb). Schmerzhafte medizinische Prozeduren bei Frühgeborenen können
die Schmerzempfindlichkeit bis ins Jugendalter beeinflussen. Das hat eine Studie
von Dr. Johanna Hohmeister aus der Arbeitsgruppe Prof. Dr. Christiane Hermann am
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim und der Universität Gießen ergeben.

Sind schmerzhafte medizinische Prozeduren nötig, brauchen gerade auch Frühgeborene eine adäquate Schmerztherapie.
© Papsch / imago
Die Frühgeborenen zeigten noch im Alter von 11 bis 16 Jahren eine stärkere Gehirnreaktion
auf schmerzhafte Reize, die normalerweise zu beobachtende Gewöhnung bei wiederholter
Reizung fehlte. Mit ihrer Studie unterstreicht Hohmeister, wie wichtig eine Schmerztherapie
bei Frühgeborenen auf der Neugeborenen-Intensivstation ist.
Für ihre Studie wurde Hohmeister beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit
dem ersten Preis der Kategorie Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung
2010 ausgezeichnet. Der mit 7 000 Euro dotierte und von Grünenthal gestiftete
Preis wird jährlich von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V.
vergeben.
Hohmeister hat in ihrer Studie die These überprüft, dass bei Frühgeborenen, bei
denen das schmerzverarbeitende System reift, schmerzhafte Reize die Schmerzverarbeitung
dauerhaft verändern können. Dazu hat sie je neun früh- und reifgeborene Kinder im
Alter zwischen 11 und 16 Jahren, die auf der Neugeborenen-Intensivstation behandelt
worden waren, sowie neun reifgeborene Kinder ohne frühen Klinikaufenthalt untersucht.
Sie beobachtete mittels fMRT die Gehirnaktivität der Kinder, während diese schmerzhafte
Hitzereize auf die Haut bekamen. Parallel wurde auch das subjektive Schmerzerleben
der Kinder erfasst.
Die frühgeborenen Kinder reagierten auf die Reize stärker als die Kinder ohne frühen
Krankenhausaufenthalt. Die Hirnaktivität bei schmerzhaften Reizen war bei ihnen
intensiver und räumlich ausgedehnter. Während die subjektiv empfundene Schmerzintensität
bei den Kindern ohne frühen Krankenhausaufenthalt im Verlauf der Reizwiederholungen
nachließ, blieb dieser Gewöhnungseffekt bei den Frühgeborenen aus.

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