Ärzte Zeitung, 18.10.2012

Schmerzsyndrom

Ausheilung oder schwere Folgen

Die Langzeitprognose bei komplex-regionalem Schmerzsyndrom ist bisher nur in wenigen Studien untersucht worden. Beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim werden jetzt aktuelle Daten dazu vorgestellt.

Komplexes Schmerzsyndrom heilt meist aus

Erste Checks bei fraglicher Neuropathie: Liegt ein CRPS vor?

© Klaro

MANNHEIM (mal). Bei Patienten mit komplex-regionalem Schmerzsyndrom, kurz CRPS, heilt die Erkrankung in der Mehrzahl der Fälle aus.

Bei einer Chronifizierung stellt das CRPS, das zur Gruppe der neuropathischen Schmerzsyndrome gehört, allerdings eine Erkrankung mit potentiell schwerwiegender funktioneller und psychosozialer Beeinträchtigung für die Patienten dar.

Das ist das Fazit, das Kollegen um Dr. Attila Rácz von der Neurologischen Universitätsklinik Erlangen aus ihrer Follow-up-Studie zur Langzeitprognose des CRPS ziehen.

Die Langzeitprognose bei CRPS sei bisher nur in wenigen Studien untersucht worden, schreiben Rácz und seine Kollegen im Abstract zur Studie, die beim Deutschen Schmerzkongress 2012 in Mannheim vorgestellt wird (Der Schmerz 2012; Sonderheft 1; 26: 80).

Aus diesem Grund sei in einem größeren Patientenkollektiv detailliert untersucht worden, wie sich einzelne Symptome in autonomen, sensorischen, motorischen sowie psychosozialen Bereichen zeitlich entwickelten.

Rácz und seine Kollegen haben die Daten von 164 CRPS-Kranken analysiert, die im Zeitraum von 1993 bis 2004 in der Schmerzambulanz der Neurologischen Universitätsklinik der Universität Nürnberg-Erlangen behandelt wurden.

Häufiger Depressionen bei persistierendem Schmerz

Die Patienten wurden mindestens 3 Jahre nach der Erstdiagnose des CRPS nachuntersucht. Die mittlere Zeitspanne zwischen der Erstuntersuchung und der Nachuntersuchung betrug dabei 72 Monate.

Nach den Kriterien der International Association for the Study of Pain (IASP) hatten nach etwa 11 Monaten nach der Erstdiagnose 50 Prozent der Patienten weiterhin ein CRPS; als mittlere Ausheilungsdauer berechneten die Kollegen 16 Monate.

Bei der Nachuntersuchung sei die Erkrankung bei einem größeren Teil der Patienten, nämlich 83,5 Prozent, ausgeheilt gewesen, bei einem kleineren Teil, nämlich 16,5 Prozent habe ein CRPS weiterhin vorgelegen.

Die beste Prognose hatten autonome Störungen, berichten Rácz und seine Kollegen: davon waren bei der Nachuntersuchung noch 20 Prozent der Studienteilnehmer betroffen im Vergleich zu 95 Prozent bei der Erstuntersuchung.

Die zweitbeste Prognose ließ sich bei motorischen Störungen feststellen mit einer Prävalenz von 30 Prozent bei der Nachuntersuchung und von 94 Prozent bei der Erstuntersuchung.

Schmerzen dagegen seien bei einem größeren Anteil der Patienten weiterhin vorhanden gewesen (41 Prozent versus 77 Prozent).

Während nur 4 Prozent der geheilten Patienten eine Depression aufwiesen, seien 33 Prozent der Patienten mit einem chronischen CRPS von einer Depression betroffen gewesen.

Komplexes regionales Schmerzsyndrom - CRPS

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom Typ 1 (CRPS I) lässt sich als ein Schmerzsyndrom an Händen oder Füßen beschreiben, das meist mit sensorischen, motorischen und autonomen Symptomen, Störungen des Körperbilds, charakteristischen Gelenk- und Knochenstoffwechselveränderungen sowie Ödemen vergesellschaftet ist.

Fast immer ist ein vorheriges Trauma eruierbar, der Schweregrad der Symptome korreliert aber nicht mit dessen Ausmaß. Die Pathophysiologie des CRPS ist unklar, wobei ein Zusammentreffen einer peripheren inflammatorischen Fehlregulation mit einer Beeinträchtigung der zentralnervösen Reizverarbeitung, besonders im sensorischen und motorischen Kortex sowie in den Basalganglien, diskutiert wird.

Für die Diagnose wird das Vorhandensein mehrerer objektivierbarer Krankheitszeichen sowie subjektiver Symptome verlangt. Charakteristisch ist die distal betonte Generalisierung der Symptome, so treten zum Beispiel bei einer Nervenverletzung - in diesem Fall spricht man vom CRPS Typ 2 - Schmerzen und andere Symptome auch außerhalb der Versorgungsgebiete des lädierten Nervs auf.

Therapieverfahren der Wahl bei Erwachsenen mit gesichertem CRPS sind heute Kortikoide in der Frühphase, eine Physio- und Ergotherapie sowie eine medikamentöse Schmerzbehandlung, die sich an den Richtlinien für die Therapie neuropathischer Schmerzen orientiert.

Quelle: Schmerz 2012; 26: 389

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