Ärzte Zeitung, 20.12.2012

Entzündung

Opiat-ähnliche Peptide lindern Schmerzen

BERLIN. Die Behandlung bei Entzündungsschmerzen wird durch den Einsatz körpereigener opiat-ähnlicher Peptide verbessert.

Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin und der Université Paris Descartes konnten zeigen, dass eine Schmerzbehandlung erfolgreich ist, wenn Immun- und Nervenzellen außerhalb des Gehirns oder des Rückenmarks in die Therapie mit einbezogen werden (FASEB J 2012, online 24. August).

Entzündungsschmerzen treten akut nach Operationen oder chronisch bei einer rheumatischen Arthritis auf.

Durch die Aktivierung von Opiat-Rezeptoren in Nervenzellen außerhalb des Gehirns oder des Rückenmarks besteht die Möglichkeit, Schmerzen zu lindern, ohne dass Nebenwirkungen bekannt sind, heißt es in einer Mitteillung der Charité.

Dabei werden die Rezeptoren mit synthetischen Opiaten oder körpereigenen opiat-ähnlichen Peptiden wie Enkephaline und Endorphine behandelt.

Allerdings werden diese Peptide durch die Enzyme Aminopeptidase N und Neutrale Endopeptidase schnell inaktiviert, so dass die schmerzlindernde Wirkung nicht anhält.

Den Forschern ist es jetzt jedoch gelungen den Abbau der körpereigenen opiat-ähnlichen Peptide mit den Enzymhemmern Bestatin, Thiorpan oder P8B direkt im entzündeten Gewebe zu verhindern. (eb)

[20.12.2012, 12:55:20]
Dr. Walther J. Kirschner 
Fragliche Opioide zur Schmerztherapie
Nach Untersuchungen der Charite´-Universitätsklinik Berlin und der Universite´ Descartes Paris sei eine Schmerzbehandlung erfolgreich, wenn Immun- und Nervenzellen außerhalb des Gehirns und Rückenmarks therapeutisch beeinflußt würden (FASEB J 2012, online 24.08.12). Dabei seien keine Nebenwirkungen bekannt. Allerdings sei die Wirkung wegen schneller enzymatischer Inaktivierung nicht anhaltend. - Hier ergibt sich ein gewisser Widerspruch, da als Indikation u.a. chronische Schmerzen benannt wurden.

Es sei jedoch gelungen, mit den Enzyminhibitoren Bestatin, Thiorpan und P8B längerfristige Wirkungen möglich zu machen.

Diese Daten werden jedoch nicht durch klinische Studien gestützt, so daß die angegebenen Schlußfolgerungen nicht zulässig und klinisch leider nicht relevant sind.

Zur näheren Aufklärung der Sachlage sind transparente Studienbedingungen erfordelich. Zudem muß große Skepsis angemeldet werden, wenn behauptet wird, es seien keine Nebenwirungen (side effects, adverse effects) bekannt. Fachlich ist klar, daß es keine Pharmaka nur mit erwünschten und ohne unerwünschte Wirkungen gibt!

Wie kommt es durch die o.a. zitierte FASEB zu solchen Aussagen? Nun, zunächst zur Information, wer sich hinter "FASEB" versteckt: "The Journal of the Federation of American Societies for Experimental Biology". Somit läßt sich vermuten, daß von dort noch gar keine relevanten klinischen Studien und Überprüfungen erfolgt sind, sondern ausschließlich experimentelle Grundlagenforschung. Der Versuch zur näheren Informationsbildung auf dortiger Website ergibt keine Info-Möglichkeit, sondern Verweise auf kommerzielle Ankäufe einzelner Literaturthemen. Soweit zu wissenschaftlicher Seriosität und Transparenz.

Eine kosekutive Google-Suche zu den angegebenen Enzyminhibitoren zeigt aktuell:

1. Zu "Bestatin":

"status of hazardous nature: considered a hazardous substance according to OSHA 29 CFR 1910.1200.
Supplier: Santa Cruz Biotechnology, Inc., Santa Cruz, California
emergency: chem watch . Tel.:....
synonyms: ....., Ubenimex, , 'antineoplastic antibiotic peptide'
Risk: .....some concern...can cause cancer or mutattions ....

Quelle: http://datasheets.scbt.com/sc-202975.pdf

2. Zu "Thiorpan":

Synonyme: Thiorphan, Tiorfan - chemisch: Racecadotril
Indikation: symptomatische Diarrhö bei Säuglingen (Deutschland). Nebenwirkungen: v.a. Erbrechen und Fieber.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung online - www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=147

Zu 3. "P8B":

Unter o.a. Begriff keine eindeutuge Identifizierung möglich - weitergehende Informationen und Recherchen erforderlich - soviel zur Transparenz!


Fazit:
Ungenügende Transparenz der Daten und der Quellen. Verfügbare Informationen verweisen auf experimentelle biologische Grundlagenforschung. Pharmakologische und klinisch relevante Daten und Studien fehlen. Klinisch relevante Nebenwirkungen werden nicht benannt, z.t. werden fehlende bekannte Nebenwirkungen benannt.

Die so getätigten klinischen Aussagen im Sinne einer innovativ verbesserten Schmerztherapie sind wissenschaftlich nicht nachvollziehbar. Weitere wissenschaftliche Forschung ist diesbezüglich unter validen wissenschaftlichen Studienbedingugen einzufordern.

Dr. med. walther Kirschner
FA Orthopädie, spezielle Schmerztherapie, Prüfleiter klinische Studien et al.



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