Ärzte Zeitung online, 02.04.2013

Risiko Reißverschluss

Hinter dem Hosenlatz lauert der Schmerz

Die Tatsache, dass viele Hosen keine Knöpfe mehr haben, hat schon einige Männer zum Weinen gebracht - vor allem diejenigen, die sich ihre Vorhaut im Reißverschluss eingezwickt haben. Solche Unglücksfälle sind weder lustig noch besonders selten.

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Die meisten Verletzungen durch Reißverschlüsse ereignen sich beim Schließen des Zippers: Wohl dem, der nur den Zeigefinger im Hosenschlitz hat.

© imago/blickwinkel

SAN FRANCISCO. Gideon Sundbäck ist in Urologenkreisen weitgehend unbekannt. Dennoch sorgt der 1954 verstorbene Schwede noch heute dafür, dass die Zunft nicht brotlos wird.

Sundbäck nämlich erlangte im Jahr 1909 das Patent DE216807 für einen "Verschluß für Kleidungsstücke jeder Art und für Gebrauchsgegenstände, bestehend aus an den Verschlußkanten des Kleidungsstücks o. dgl. kettenartig angeordneten Ösen- und Hakengliedern", kurz als "Reißverschluss" bezeichnet.

Medizinischerseits ist gegen solche Verschlüsse nichts einzuwenden, solange sie den für sie vorgesehenen Zwecken dienen. Sofern hierzu das Öffnen und Schließen von Hosenschlitzen gehört, ist jedoch die Schwelle zum urologischen Fachgebiet erreicht.

USA: 18.000 Verletzungen in neun Jahren

Überschritten ist sie, sobald ein Reißverschluss die männliche Vorhaut schmerzhaft in die Klemme bringt.

Obwohl der Schieber seit mehr als 100 Jahren über die Krampen gleitet, gab es zur Inzidenz Reißverschluss-verursachter Genitalläsionen bis vor Kurzem keine verlässlichen Zahlen.

US-Urologen um Herman Bagga (San Francisco) haben diesem Mangel nun abgeholfen (BJU Int 2013, online 13. März).

Anhand der Daten, die von der US-Verbraucherschutzkommission CPSC vorgehalten werden, schätzten Bagga und Kollegen die Zahl der Penisverletzungen durch Reißverschlüsse in den Jahren 2002 bis 2010 auf USA-weit rund 18.000.

Nur fünf Vorfälle mit Frauen

Knapp 30 Prozent aller Penisläsionen von Erwachsenen lag der Fehlgebrauch eines Zippverschlusses zugrunde, was Platz eins in der Ursachenstatistik bedeutete.

Im pädiatrischen Kollektiv erreichte die Quote circa 17 Prozent. Nur von Quetschungen des Penis durch Toilettenbrillen wurden Knaben noch häufiger ereilt.

Weniger als ein Prozent der Verletzungen durch Reißverschlüsse betrafen das Skrotum. Rein anekdotischen Charakter hatten Unfälle mit Zippern im Genitalbereich, in die Frauen verwickelt worden waren.

Lediglich fünf Fälle in den genannten neun Jahren waren in den Akten vermerkt. In vier davon waren die Labien in Mitleidenschaft gezogen worden, in einem Fall war ein Reißverschlussteil als Fremdkörper in die Vagina vorgedrungen.

Die meisten Unfälle beim Schließen des Zippers

Ebenfalls nicht risikofrei sind die Ratschläge, wie eingezwängtes Gewebe zu befreien sei.

Ob das nötige Feingefühl in jedem Fall walten kann, lässt sich mit Blick auf das in der Fachliteratur empfohlene Instrumentarium - von Schraubenziehern und Zangen über Saitenschneider bis zu Drahtscheren - mit Fug bezweifeln. In therapierefraktären Fällen gilt die Zirkumzision als Ultima Ratio.

"Die meisten der Verletzungen ereignen sich unabsichtlich beim Schließen des Zippers", notieren Bagga und sein Team.

Über den verbleibenden Rest dann offenbar absichtlich herbeigeführter Verklemmungen schweigen sich die Autoren aus. (rb)

[02.04.2013, 10:53:04]
Christian Gutermann 
Prävention
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