Ärzte Zeitung, 18.12.2015

Kommentar zur palliativen Sedierung

Der letzte Dienst

Von Elke Oberhofer

Es gibt Situationen am Lebensende eines unheilbar Kranken, in denen herkömmliche palliative Maßnahmen nicht mehr greifen. Nicht beherrschbare Atemnot bei Lungenfibrose zum Beispiel oder unkontrollierbare Durchbruchschmerzen bei Krebs.

Letztere können so übermächtig werden, dass im Bewusstsein des Sterbenden kein Raum mehr bleibt für Dinge, die er noch sagen, denken, tun will.

In solchen Fällen ist es für den Arzt nicht nur moralisches Gebot zu helfen, es ist auch seine ärztliche Pflicht. Mit der palliativen Sedierung steht ein entsprechendes Instrument zur Verfügung. Dabei bekommt der Patient ein Benzodiazepin infundiert, mit dem Ziel, die Symptomlast zu reduzieren. Dieses Vorgehen als "Euthanasie" zu verteufeln, ist falsch. Die Intention ist, dem Patienten beizustehen, und nicht, dessen Leben zu beenden.

Es gibt Sterbeprozesse, die, so der Münchner Medizinrechtsexperte Wolfgang Putz, "sogar eine Palliation gebieten, die das Leben verkürzt oder verkürzen könnte".

Dass eine tiefe Sedierung, die das Bewusstsein des Patienten bis zum Tod ausschaltet, das Sterben beschleunigt, trifft einer aktuellen Studie zufolge wahrscheinlich nicht einmal zu. Aber auch das wäre kein Grund, die Maßnahme einem schwer Leidenden in seinen letzten Stunden vorzuenthalten.

Lesen Sie dazu auch:
Palliative Sedierung: Kein Turbo für den Tod

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »