Ärzte Zeitung, 14.09.2016

Ulcus cruris

Oft von Schmerzen begleitet

Unabhängig von der Ursache des Geschwürs leidet die Mehrzahl der Patienten mit einem Ulcus cruris an neuropathischen Schmerzen, wie eine französische Studie ergeben hat.

BREST. Schmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung von Beingeschwüren. Und glaubt man den Ergebnissen einer Studie, die Marie Eusen von der Universitätsklinik Brest und Kollegen vorgelegt haben, ist die oft vertretene Ansicht, venöse Beinulzera seien selten schmerzhaft, nicht länger haltbar (J Eur Acad Dermatol Venereol 2016, online 7. Juni).

56 Prozent der befragten Patienten mit Ulcus cruris venosum, die für die Studie untersucht wurden, hatten nachweislich neuropathische Schmerzen, also eine Punktzahl von mindestens 4 (von maximal 10) im DN4-Diagnosefragebogen zum neuropathischen Schmerz.

Bei Patienten mit Ulcus cruris arteriosum lag die Quote für neuropathische Schmerzen sogar bei 75 Prozent. Für gemischte Ulzera gaben die französischen Forscher den Anteil mit 64 Prozent an. Im Mittel lag die Rate bei 58 Prozent. Die Ursachen, die den offenen Beinen zugrunde lagen, hatten keinen Einfluss auf die DN4-Werte.

Aus den erhobenen Daten ließ sich auch nicht ableiten, welche Patienten mit Ulcus cruris neuropathische Schmerzen entwickeln werden und welche nicht.

Regelhaft auf Schmerz untersuchen!

Fast jeder dritte der 81 Studienpatienten gab die Schmerzstärke auf einer bis 10 ansteigenden visuellen Analogskala mit mehr als 5 und damit als mindestens mittelstark, jeder fünfte mit mehr als 7 und somit als stark an.

Drei Viertel der Patienten wurden gegen ihre Schmerzen behandelt, 30 Prozent bekamen Opioide. Aber nur wenige erhielten Mittel wie Pregabalin oder Gabapentin, die spezifisch gegen neuropathische Schmerzen wirken.

"Diese Resultate sollten Ärzte ermutigen, Patienten mit Beinulzera regelhaft auf neuropathische Schmerzen zu untersuchen", schreiben die Studienautoren um Eusen. Helfen kann dabei der schon erwähnte DN4-Fragebogen. Er enthält Fragen nach dem Schmerzcharakter (Brennen? Kälteschmerz? Elektrisierende Schläge?) und Begleitsymptomen (Kribbeln? Ameisenlaufen? Taubheit? Jucken?).

Danach wird eingetragen, ob eine Hypästhesie auf Berührung und/oder Stiche in der schmerzenden Region besteht und ob der Schmerz durch Bestreichen etwa mit einem Pinsel ausgelöst oder verstärkt wird. Für jedes gefundene Merkmal wird ein Punkt vergeben. Ab einem Wert von 4 Punkten ist von einem neuropathischen Schmerz auszugehen, die Sensitivität liegt für diesen Schwellenwert bei 83 Prozent und die Spezifität bei 90 Prozent. (rb)

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