Schmerzen

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Die schmerzende Hüfte – Schauen Sie genau hin!

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung, 18.07.2007

Sommerakademie 2007

Arthrose? Arzneien und Bewegung kombinieren!

Neue Präparate gegen Schmerz und Entzündung / Physikalische Maßnahmen ergänzen Pharmakotherapie

Die Therapie von Patienten mit Arthrose erfordert die Kombination von Arzneien und nicht-pharmakologischen Maßnahmen. Nur so lassen sich die Progression hemmen, die Schmerzen lindern, die Entzündung beseitigen und die Funktion verbessern.

Eine Polyarthrose der Finger erschwert den Alltag der Patienten ganz erheblich. Selbst das Heben eines Glases kann schwerfallen. Foto: slp

Arthroseschmerzen beeinträchtigen den Alltag und mindern die Lebensqualität. Jedem vierten Patienten fällt das Herabsteigen einer Treppe schwer, jeder fünfte hat Schmerzen beim Gehen auf ebener Erde, so zwei Ergebnisse der Herner Arthrosestudie. Arthroseschmerz immobilisiert die Patienten und blockiert so Maßnahmen der Aktivierung.

"Nur bei milden bis moderaten Beschwerden ist Paracetamol gut geeignet", so Professor Josef Zacher vom Helios Klinikum Berlin-Buch. Wirkt das reine Analgetikum nicht ausreichend, sind NSAR eine Option. Die Substanzen wirken bekanntlich sowohl analgetisch als auch antiphlogistisch.

Alle NSAR: Niedrig dosiert, nur so lang wie nötig

Zusätzlich zu traditionellen NSAR (tNSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Dexibuprofen und dem seit Jahresbeginn erhältlichen Nabumeton (Relifex®) stehen für die Therapie Coxibe zur Verfügung. Außer Celecoxib (Celebrex®) und Etoricoxib (Arcoxia®) gibt es seit Anfang 2007 Lumiracoxib (Prexige®). Die antiphlogistische Wirkung von Coxiben und tNSAR macht sie besonders geeignet bei aktivierter Arthrose.

Mittlerweile ist klar: Nicht nur Coxibe, sondern auch tNSAR erhöhen kardiovaskuläre Risiken in ähnlichem Ausmaß.  Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA empfiehlt, Substanzen beider Gruppen in der niedrigst nötigen Dosis und nur so lange wie nötig zu verordnen.

Haben Patienten erhöhte gastrointestinale Risiken - Alter, Ulkusanamnese, Steroidtherapie - wird von der Behandlung mit alleinigem tNSAR abgeraten. Diese Patienten sollten zum tNSAR zusätzlich einen Protonenpumpen-Hemmer (PPI) erhalten: Das senkt das Läsionsrisiko im Magen. Alternative sind Coxibe. Sie reduzieren das Risiko gastrointestinaler Komplikationen auch im unteren GI-Trakt, wo PPI nicht schützen.

Sind Schmerzen mit tNSAR oder Coxiben nicht ausreichend zu lindern, bieten sich zunächst schwach wirksame Opioide an wie Tilidin/Naloxon (etwa Valoron®N) und Tramadol. Reichen auch diese nicht aus, kommen stark wirksame Retard-Opioide in Betracht, etwa Hydromorphon (Jurnista®, Palladon®) oder Oxycodon (etwa Oxygesic®), das jetzt auch mit Naloxon kombiniert vorliegt (Targin®). Schmerzpflaster gibt es mit den Wirkstoffen Fentanyl (etwa Durogesic® SMAT) und Buprenorphin, das auch niedrig dosiert seit Januar als Norspan® mit der Indikation Arthrose auf dem Markt ist.

Richtige Lebensgestaltung: positiv bei Arthrose

Doch die Pharmakotherapie ist nicht alles. "Patienten können die Arthrose durch Lebensgestaltung beeinflussen", so Zacher. Angepasstes Schuhwerk (Pufferabsätze, Luftpolsterschuhe) vermindert die Stoßbelastung, Gehstützen reduzieren Belastungsspitzen. Bewegen ohne Überbelastung, Koordinationsübungen, Kräftigung der Muskulatur, sind auch mit hohem Alter möglich und sinnvoll, so Zacher. "Eine Operation sollte erwogen werden, wenn anders die Schmerzen nicht in den Griff zu bekommen und die vom Patienten gewünschte Gelenkfunktion zu erreichen sind."

Ergänzt werden können die therapeutischen Maßnahmen mit langsam wirkenden Arthrose-Präparaten wie D-Glucosaminsulfat (Dona® 200-S), Chondroitinsulfat und Hyaluronsäure oder einer Kombination solcher Substanzen mit Mikronährstoffen (Orthomol Arthro®). Auch für Kollagen-haltige Mittel (etwa CHAlpha®) sind positive Effekte bei Arthrose beschrieben. (hub)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »