Ärzte Zeitung online, 13.04.2009

Beginn der Laufsaison - langsamer Aufbau ist das A und O

DREIEICH (stü). Joggen ist gesund und hält fit. Der Körper muss allerdings der Belastung gewachsen sein, sonst drohen Laufverletzungen. Besonders Freizeitsportler, die nach längerer Pause nun wieder richtig "loslegen" wollen, sollte geraten werden, ihr Trainingspensum langsam zu steigern und Warnsignale des Körpers ernst zu nehmen.

Nach längerer Laufpause sollte das Training langsam aufgebaut werden.

Nach längerer Laufpause sollte das Training langsam aufgebaut werden.

Foto: Marcel Mooij © www.fotolia.de

"Überlastungsschäden drohen vor allem bei Läufern, die an alte Leistungen zu schnell wieder anknüpfen wollen," berichtet Dr. Rainer Wittig aus Dreieich von seinen Erfahrungen. Der Allgemein- und Sportmediziner denkt dabei zum Beispiel an den Jogger, der nach der Winterpause wieder die gleiche Strecke wie im Herbst laufen möchte. Oder an den 40-Jährigen, der zuletzt als junger Mann trainiert hat und bedingt durch Studium, Beruf und Familie pausiert hat, etwas Gewicht zugelegt hat und nun wieder Laufsport betreiben will.

In letzterem Fall empfiehlt Wittig seinen Patienten eine sportmedizinische Untersuchung. "Internistische Abklärung und Belastungstest sind dabei ausreichend," so Wittig. Der niedergelassene Arzt rät generell Patienten mit starkem Übergewicht vom Joggen ab. "Wenn jemand 20 Kilo zu viel hat und abnehmen möchte, ist das Joggen einfach aufgrund der hohen Gelenkbelastung keine geeignete Trainingsmaßnahme," so Wittig. Kollegen sollten dann Walking, Schwimmen und Radfahren als geeignetere Sportarten empfehlen.

Ausreichend Phasen zur Regeneration einplanen!

Spricht nichts gegen das Laufen, kann es losgehen. Gute Schuhe und ausreichende Regenerationsphasen sind dann unerlässlich. Wittig empfiehlt Wiedereinsteigern nach einem Training ein bis zwei Tage Pause. Wer diesen Rat nicht befolgt, riskiert Laufverletzungen. Am häufigsten ist dabei bekanntlich das Knie betroffen, dann folgen Füße und Sprunggelenk, Unterschenkel, Achillessehne, Hüfte und Becken, Rücken und Oberschenkel.

Meist liegen Überlastungsreaktionen von Bändern, Sehnen und Knorpel vor, wenn das Training zu schnell gesteigert wurde. Da viele Menschen dazu neigen, warnt Wittig seine Patienten davor. Denn das schlecht durchblutete Gewebe passt sich im Gegensatz zur Muskulatur nur langsam an die gesteigerten Belastungen eines Lauftrainings an. Das ist auch der Grund dafür, warum Laufverletzungen besonders häufig in den ersten drei Jahren nach dem Wiedereinstieg auftreten, haben Studien ergeben.

Niemals gegen den Schmerz anlaufen!

Läufer müssen deshalb auf die Überlastungssignale ihres Körpers achten und vor allem Schmerzen ernst nehmen. "Auf keinen Fall darf gegen einen Schmerz angelaufen werden," warnt Wittig. Seiner Erfahrung nach reagieren die meisten Läufer auf Probleme vernünftig, indem sie pausieren. Tritt das spezifische Problem trotz aller therapeutischen Bemühungen sowie technischer Veränderungen - zum Beispiel geringeres Trainingspensum, andere Schuhe, verbesserter Laufstil - immer wieder auf, sollte sich der Betroffene damit abfinden, dass das Laufen nicht der geeignete Sport für ihn ist. Häufig ist es der Arzt, der seinem Patienten sensibel diese schlechte Nachricht beibringen muss. "Das kann schon sehr dramatisch sein - für manche bricht dann eine Welt zusammen," weiß Wittig aus eigener Erfahrung.

Kasten: Was Ihre Patienten wissen müssen

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