Ärzte Zeitung, 30.03.2004

Langwirksames Triptan reduziert Recurrence-Risiko

Frovatriptan 2,5 mg bei mehr als 7000 Patienten getestet

BERLIN (grue). Migräne-Patienten kennen das Phänomen: Für einige Stunden hilft ein Medikament, dann kehren die quälenden Kopfschmerzen zurück. Ein Triptan mit langer Halbwertzeit kann das verhindern.

Wiederkehr-Kopfschmerz (Recurrence), definiert als erneute Migräne innerhalb eines Tages nach der ersten Attacke, tritt unter Therapie mit Frovatriptan (Allegro®) nur bei 13 Prozent der Patienten auf. Bei längerfristiger Therapie nimmt die Recurrence-Rate noch weiter ab.

Das ist das Ergebnis einer Anwendungsbeobachtung bei 7100 Migräne-Patienten aus allgemeinmedizinischen und internistischen Praxen. Die Daten stellte Dr. Volker Pfaffenrath aus München bei einer Veranstaltung von Berlin-Chemie in Berlin vor.

Die Patienten hatten im Mittel seit acht Jahren meist mäßige bis schwere Migräne. Zwei Drittel nahmen bislang Analgetika ein, ein Drittel Triptane. 18 Prozent hatten auch Ergotamine eingenommen, deren Verordnung noch nicht eingeschränkt war, als die Untersuchung lief.

Mit den üblichen Mono- oder Kombinationstherapien waren mehr als die Hälfte nur einigermaßen und 23 Prozent gar nicht zufrieden, sagte Pfaffenrath. Der Studienmedikation (2,5 mg Frovatriptan) bescheinigten die Patienten dagegen zu über 90 Prozent eine sehr gute oder gute Wirksamkeit.

"Die niedrige Recurrence-Rate hängt mit der langen Halbwertzeit von Frovatriptan zusammen", sagte der Neurologe. Sie ist mit 26 Stunden länger als bei allen anderen Triptanen (wie berichtet). Auch der Anteil von Patienten mit Bedarf an zusätzlichen Schmerzmitteln reduzierte sich von anfänglich 33 auf 23 Prozent. Acht von zehn Patienten kamen langfristig mit einer Tablette pro Attacke aus. Die Rate an unerwünschten Effekten lag unter einem Prozent.

"Fast alle Studienteilnehmer wollten deshalb auch weiterhin bei Migräne Frovatriptan einnehmen", sagte Pfaffenrath. Nur bei etwa zwei Prozent der Patienten wirkte das Triptan nicht. Sie hatten meist schon ohne Erfolg andere Triptane probiert und seien vermutlich genetisch bedingt Non-Responder.

Wer zuvor Ergotamine eingenommen hatte, sprach dagegen gut auf das Triptan an. "Anstelle von Ergotaminen in höherer Dosierung sollten jetzt Triptane verordnet werden", empfahl der Neurologe.

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