Ärzte Zeitung, 19.01.2005

Metaanalyse: Migräne steigert Apoplexie-Risiko

Daten von 14 Studien wurden neu bewertet / US-Neurologe: Ergebnisse sind keinesfalls alarmierend

MONTREAL (mal). Eine Metaanalyse der Daten von 14 Studien stützt die These, daß Migräne ein unabhängiger Risikofaktor für einen ischämischen Schlaganfall ist. Besonders gefährdet sind nach der Analyse Frauen mit Migräne, die orale Kontrazeptiva einnehmen.

Migräne quält. Und sie erhöht das Schlaganfall-Risiko. Trotzdem besteht kein Anlaß für allzugroße Sorge. Foto: DAK

In ihrer Studie haben die Forscher um Dr. Mahyar Etminan vom Royal Victoria Hospital in Montreal in Kanada Daten von 14 Studien (elf Fall-Kontroll-Studien und drei Kohorten-studien) analysiert, die alle zwischen 1966 und Juni 2004 veröffentlich worden sind.

Bei den bisher insgesamt widersprüchlichen Daten zum Zusammenhang zwischen Migräne und Schlaganfall-Rate stütze die Metaanalyse nun die Hinweise, daß Migräne ein eigenständiger Risikofaktor ist, so die Forscher (BMJ 330, 2005, 63).

Sie erinnern daran, daß bei Migräne-Patienten mit einer Aura vor den Attacken Thrombozyten verstärkt zur Aggregation neigen und der zerebrale Blutfluß verminderter ist - Mechanismen, die in der Genese eines ischämischen Schlaganfalls wichtig sein könnten. Im Detail haben die Forscher herausgefunden:

  • Patienten mit Migräne haben ein um den Faktor 2,2 erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall ,
  • Bei migränekranken Frauen und Männern im Alter unter 45 Jahren ist das Risiko um den Faktor 2,4 erhöht,
  • Frauen mit oralen Kontrazeptiva haben ein 8,7fach erhöhtes Risiko.

In einem Editorial zur Studie weist der Neurologe Dr. D. J Thomas vom St. Mary‘s Hospital in New York darauf hin, daß Schlaganfälle bei jüngeren Frauen selten seien. Die Ergebnisse der Metaanalyse seien deshalb - selbst für Pille-Anwenderinnen - keinenfalls alarmierend. Bei Migräne-kranken Frauen sollten orale Kontrazeptiva mit möglichst hohem Gestagen-Anteil bevorzugt werden. In Bezug auf das Apoplexie-Risiko seien sie sicherer als Mittel mit hohem Östrogen-Anteil, erinnert Thomas. In der Metaanalyse wurde zwischen den unterschiedlichen Kontrazeptiva nicht unterschieden.

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