Ärzte Zeitung online, 22.01.2009

Neurologen haben häufiger Migräne als die Bevölkerung

MÜNSTER (eb). Neurologen haben offenbar besonders oft Migräne. Bei ihnen, vor allem den Kopfschmerzexperten, ist Migräne viel häufiger als in der normalen Bevölkerung. Selbst Ärzte aus anderen Fachbereichen leiden seltener als ihre Kollegen an Kopfschmerzen.

Herausgefunden haben das Wissenschaftler des Universitätsklinikums Münster in einer Studie mit rund 950 Teilnehmern. Während nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens an Migräne leiden, sind unter den Neurologen doppelt so viele betroffen. Unter den auf Kopfschmerzen spezialisieren Experten sind es sogar 50 Prozent. (Der Schmerz 2008; 22 Suppl 1, 47).

Die Gründe für diese überraschenden Zahlen sind den Wissenschaftlern zufolge bislang nicht bekannt. Ihrer Einschätzung nach tragen wahrscheinlich mehrere Faktoren dazu bei. So gaben einige Betroffene an, dass ihre Kopfschmerzen auch der Grund waren, Neurologe bzw. Kopfschmerzexperte zu werden, sagt Professor Stefan Evers. Der Leiter der Studie ergänzt außerdem, dass sich Neurologen genau mit den Kriterien der Migräne auskennen. So könnten sie eine Erkrankung leichter und häufiger an sich diagnostizieren.

In der Studie wurde außerdem der Unterschied der Behandlung untersucht. Die Wissenschaftler wollten wissen, ob die selbst betroffenen Ärzte einen Unterschied in der Therapie zwischen ihren Patienten und sich sich selbst machen.

Dabei fanden Evers und sein Team heraus, dass die Ärzte bei der Behandlung ihrer eigenen Migräne viel zurückhaltender sind, als sie es ihren Patienten empfehlen. So nahmen nur etwa 50 Prozent der Studienteilnehmer selbst Triptane, obwohl sie in fast allen Fällen ihren Patienten solche Medikamente verschrieben hatten. Ähnlich ist das Verhalten auch bei der Verschreibung von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR).

Auch die Einstellung zur Migräne als Erkrankung wird davon geprägt, ob die Ärzte selber an Migräne leiden, schreiben die Forscher. So werde die Migräne von den selbst betroffenen Ärzten viel mehr als körperliche und weniger als psychosomatische Erkrankung wahrgenommen.

Die Teilnehmer der Studie gehören unterschiedlichen Gesellschaften an, zum Beispiel der DMKG, der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) sowie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und des Berufsverbandes Deutscher Allgemeinärzte (BDA). Der Fragenkatalog bezog unterschiedliche Formen der Migräne, wie Migräne mit und ohne Aura sowie den episodischen und chronischen Spannungskopfschmerz ein.

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