Schmerzen

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Die schmerzende Hüfte – Schauen Sie genau hin!

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung online, 02.08.2011

Migräne bei Wetterwechsel: Alles nur Einbildung?

WIEN (mal). Für viele Migräne-Geplagte sind es eher enttäuschende Nachrichten: Ihre Kopfschmerzen sollen allenfalls minimal etwas mit Wetterwechsel und Föhn zu tun haben. Das melden jedenfalls Forscher der Universität in Wien.

Migräne bei Wetterwechsel: Alles nur Einbildung?

Dreht sich der Wetterhahn im Wind, bahnt sich bei manchem der Kopfschmerz an. Alles nur Einbildung, meinen Forscher.

© Handl / imagebroker / imago

Viele Migräne-Patienten und -Patientinnen werden vehement neuen Forschungsergebnissen widersprechen, nach denen es allenfalls einen minimalen Zusammenhang zwischen Wetterwechsel und dem Auftreten von Kopfweh oder Migräne gibt. Forscher aus Wien behaupten dies aufgrund der Ergebnisse einer eigenen prospektiven Kohortenstudie.

Patienten führten 90 Tage lang Tagebuch

In der Studie haben Wissenschaftler um Dr. Karin Zebenholzer von der Universitätsklinik in Wien 238 Migräne-Patienten mit oder ohne Aura gebeten, zu ihren Kopfschmerzen 90 Tage lang Tagebuch zu führen (Cephalalgia 2011; 31: 391). Parallel dazu meldete das Zentralinstitut für Meteorologie in Wien täglich die Wetterdaten, etwa Daten zu Temperatur und Luftdruck.

Für die statistische Analyse standen zum Schluss immerhin Daten von 20 553 Patiententagen zur Verfügung. Die Studienteilnehmer waren durchschnittlich 42 Jahre alt, in der Mehrzahl (88 Prozent) handelte es sich - wie erwartet - um Frauen. Jeder Migräne-Geplagter hatte im Mittel sechs Kopfschmerz- oder Migränetage pro Monat.

Es bestehen allenfalls minimale Assoziationen

Ergebnis: Zwischen Wetter-Parametern und dem Auftreten von Migräne oder Kopfschmerzen besteht nach dieser Studie nur ein minimaler Zusammenhang, und zwar für verstärktes Auftreten von Kopfschmerzen beim Nahen einer Hochdruckfront.

Ansonsten gibt es für Wetterfühlige eher enttäuschende Ergebnisse: Für keinen Wetter-Parameter gab es einen signifikanten Zusammenhang mit dem Auftreten von Kopfschmerzen oder Migräne.

Und: Die subjektive Wahrnehmung des Wetters korrelierte zwar relativ gut mit den Daten der Wetterwarte, aber nicht mit dem Auftreten oder dem Anhalten von Kopfschmerzen oder Migräne.

Wetter und Wetterwechsel werden von Migräne-Geplagten bekannterweise häufig als Triggerfaktoren genannt. Oft wird Migräne auf einen Luftdruckabfall oder Föhn zurückgeführt. Diese subjektiven Wahrnehmungen stehen aber im Widerspruch mit den Ergebnissen prospektiver Studien.

Literaturrecherche bringt ähnliche Ergebnisse

Auch die Kollegen der Universitätsklinik in Wien hätten sich die Mühe gemacht, zum Thema "Wetter und Migräne" eine systematische Literaturrecherche durchzuführen, merkt Professor Hans-Christoph Diener von der Universitätsklinik Essen in einem Kommentar zur Studie an (INFO Neurologie & Psychiatrie 2011; 6: 8).

Ihre Analyse von 13 Studien mit Patientenzahlen zwischen 21 und 7054 habe für die meisten keinen Zusammenhang zwischen Wetter-Parametern und dem Auftreten von Kopfschmerzen oder Migräne ergeben, so Diener.

In einem liegt der Experte aus Essen aber 100-prozentig sicher: "Dessen ungeachtet ist es nicht zielführend, mit Migräne-Patienten Diskussionen über das Wetter als Auslöser von Kopfschmerzen zu führen", schreibt Diener, "da selbst begabte Neurologen nicht in der Lage sind, das Wetter grundlegend zu beeinflussen."

[02.08.2011, 12:26:13]
Dr. Anton Safer 
Wert der Studie ist fraglich
Der Zusammenhang Wetterfront-Migräne ist vermutlich mit der Mikrowellenstrahlung herannahender Fronten zu erklären, ein Phänomen das man schon seit 50 Jahren kennt.
Was mich auch noch wundert: es wurden offenbar keine Biomarker gemessen... und 90 Tage sind sehr kurz, das Kollektiv für medizinische Untersuchungen zu klein, um ordentlich Power zu bekommen ...
Wert der Studie? zum Beitrag »
[02.08.2011, 11:09:26]
Karin Domann 
Und? Sind wir dann alle Simulanten?
Oder was wollen uns die Autoren der Studie damit beweisen? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »